Schmerz Qual-Gedächtnis im Rückenmark
Wie »böse« Schmerzen entstehen und zu bekämpfen sind.
"Das meiste", sagt Zieglsgänsberger mit unverhohlener Freude, "was in Medizin-Lehrbüchern, die bis Anfang der neunziger Jahre erschienen sind, über chronische Schmerzen steht, können Sie getrost vergessen."
Der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München hat gut lachen und mit ihm eine rasch wachsende Zahl von Patienten mit zuvor nicht kurierbaren chronischen Schmerzen. Denn dank Zieglgänsbergers Forschung können Ärzte ihnen neuerdings helfen.
Anders als bis vor einigen Jahren angenommen sind am Schmerzgeschehen beteiligte Nervenzellen - Neuronen - nicht nur passive Signalüberträger. Vielmehr reagieren sie, wie Zieglgänsberger bereits vor einem Vierteljahrhundert vermutet hat, "lernend" auf schmerzhafte Reize. Solche Prozesse, erklärt er, "laufen vermutlich ganz allgemein bei Lernvorgängen ab". Er spricht deshalb von einem "Schmerzgedächtnis" im Rückenmark und in bestimmten Bereichen des Gehirns.
Heute unterscheiden gut ausgebildete Ärzte zwischen "gutem" und "bösem" Schmerz. Der "gute" alarmiert bei Verletzungen oder Erkrankungen und weicht wieder, sobald seine Ursachen behandelt worden sind. Der "böse" Schmerz hingegen hat seine Warnfunktion verloren - er ist chronisch geworden.
Das Schmerzgedächtnis läßt sich einfach austricksen
- Datum 11.10.2006 - 06:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.03.1998 Nr. 12
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