Viele Flüchtlinge kommen ohne Papiere nach Deutschland. So ist das Herkunftsland von etwa 27 000 hier lebenden Schwarzafrikanern unbekannt - doch genau dies ist entscheidend für das Asylverfahren. Um die Herkunft genauer zu bestimmen, testet das Nürnberger Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge derzeit Sprachanalysen: Der Asylbewerber spricht auf Tonband, das nach Schweden oder in die Schweiz geschickt wird. Anonyme Gutachter entscheiden anhand der Sprachprobe, ob die Angaben des Flüchtlings stimmen können. Jüngst bat das Bundesamt deutsche Afrikanisten um Mitarbeit.

Raimund Kastenholz, 45, Professor für Afrikanische Philologie an der Universität Mainz, verweigert sie.

die zeit: Warum wollen Sie keine Sprachproben für das Bundesamt analysieren?

Raimund Kastenholz: Mir scheint dies nicht durchführbar. In Afrika gibt es etwa 2000 Sprachen, allein im Tschad rund 130, in Nigeria sogar 460. Weltweit finden sich nicht genug Afrikanisten, um nur einen Bruchteil davon abzudecken. Die meisten von uns sprechen und verstehen eine oder auch zwei afrikanische Sprachen gut. Aber das war's dann. Unser Interesse ist stark forschungsorientiert. Und das bedeutet eben nicht unbedingt, daß wir diese Sprachen perfekt genug beherrschen, um entscheiden zu können: Hier spricht jemand ganz eindeutig diese oder jene Sprache.

zeit: Sind Sprachtests nicht wenigstens in einzelnen Fällen verläßlich?

Kastenholz: Sicher ist denkbar, daß ein Experte zufällig ein Band mit einer Sprache darauf hört, die er sehr gut kennt. Aber das ist die berühmte Nadel im Heuhaufen. Das Amt will mit den Sprachanalysen nicht nur die Angaben der Asylbewerber überprüfen, sondern bei falscher Auskunft auch das tatsächliche Herkunftsland ermitteln. Denn man kann jemanden nur abschieben, wenn man weiß, wohin. Dabei stehen dann nicht nur einige regionale, sondern alle Sprachen Afrikas zur Auswahl.

zeit: Welche sprechen Sie?