Schmerz Hämmern im Schädel
Migräne und Kopfschmerz werden oft falsch behandelt.
Arzt: "Nehmen Sie Medikamente?"
Patient: "Nö, Herr Doktor."
Arzt: "Aber Sie haben Kopfschmerzen?"
Patient: "Ja!"
Arzt: "Und was tun Sie dagegen?"
Patient: "Ein Aspirin oder Thomapyrin ..."
Frei verkäufliche Schmerzmittel, so deutet der Münchner Facharzt Volker Pfaffenrath diesen häufigen Dialog, gelten offenbar vielen Menschen nicht als Medikament. Dennoch bergen sie Risiken: unter anderem chronische Kopfschmerzen durch die Einnahme zu vieler Schmerzmittel (Analgetika). Deshalb verordnen Kopfschmerzexperten so manchem Patienten einen Analgetika-Entzug als ersten Schritt zur Besserung.
Pfaffenrath ist der Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG). Nach seiner Schätzung glaube etwa ein Drittel der Migräniker, "die Medizin kann mir ja doch nicht helfen", und sei deshalb resigniert. "Eine suboptimale Behandlung", sagt der Neurologe, "bahnt der Chronifizierung den Weg."
Kaum eine Krankheit ist so häufig. Allein in Deutschland leiden zehn Millionen an einer Migräne und täglich mindestens drei Millionen an Kopfschmerzen. Sogar jedes zwanzigste Kind quält sich mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne. Dennoch wird kaum ein Leiden so unterschätzt, da es "überwiegend episodisch auftritt und keine Lebensbedrohung darstellt", sagt Pfaffenrath.
Unterschätzt wird unter anderem die Vielfalt der Erscheinungsformen: Welcher Arzt oder Patient kennt schon die 169 verschiedenen Arten von Kopfschmerz, die sich in der Fachliteratur finden? Geläufig sind vor allem Spannungskopfschmerz und Migräne, die häufigsten Formen. Dennoch gehen etwa die Hälfte der Migräniker und sogar vier von fünf Spannungskopfschmerzopfern nicht zum Arzt; wie viele regelmäßig Analgetika schlucken und so den Teufel durch Beelzebub austreiben, läßt sich kaum abschätzen. Als Grenzwert gilt: Analgetika nicht länger als drei Tage hintereinander oder mehr als zehn Tage im Monat einnehmen.
- Datum 31.01.2008 - 12:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.03.1998 Nr. 13
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