Loriot Herr und MopsSeite 4/4
"Heute habe ich Ihnen eine Steinlaus mitgebracht"
Das Preußische seiner Vorfahren ist ihm bis heute wichtig, besonders die aus der Mode gekommenen Tugenden wie Verläßlichkeit, Höflichkeit, Bescheidenheit, Toleranz. "Preußen hat vorgemacht, was Einwanderung bedeutet." Oder Loyalität, die erst unter dem Kaiser zu Untertanengeist mutierte. "Aber das war nicht nur in Deutschland so. Viktoria in England war in manchem Wilhelm II. sehr ähnlich, zum Beispiel in ihrem Auftreten in Indien." Preußen, das sind für ihn auch die Offiziere des 20. Juli 1944. Und deshalb verletzten ihn die Wehrmachtsausstellung und die Reaktion darauf. Man dürfe nicht neunzehn Millionen deutscher Soldaten zu Kriminellen stempeln, sagt er, "der Krieg an sich ist das Obszöne".
Preußisch nennt er auch seinen Perfektionsfimmel, den er in seinem Beruf aber für unerläßlich hält. "Bei Komik muß jedes Detail stimmen. Bei der Tragödie kommt es nicht so genau darauf an." Dieter Ertel, der ihn zum Südfunk Stuttgart und später zu Radio Bremen geholt hat, sorgte dafür, daß er seine Arbeit so machen konnte, wie er sie für richtig hielt. Wenn er Prominente imitierte, gelang ihm das so perfekt, daß etwa Bernhard Grzimek am Anfang einer seiner Sendungen sagte: "Das bin jetzt wirklich ich und nicht Loriot."
Dabei habe er bei Grzimek gar nicht viel machen müssen, "nur eine kleine Spitze auf die Nase, die Augen ein bißchen so ... ein paar Falten auf der Stirn." Und plötzlich sitzt mir auf dem Sofa in Ammerland Bernhard Grzimek gegenüber und sagt: "Heute habe ich Ihnen eine Steinlaus mitgebracht ..."
Im vergangenen Monat hat er den Festsaal im Westflügel der Brandenburger Domklausur eingeweiht. Im Namen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hatte er um Spenden zur Rettung des Brandenburger Doms gebeten, um ihn wenigstens erst einmal abzustützen. "Zwei Millionen gingen daraufhin ein, und da mußten Staat und Kommune reagieren und gaben den Rest."
Seine eigene, die Brandenburg-Stiftung Vicco v. Bülow, unterstützt Menschen aus der Stadt Brandenburg, die in Not geraten sind. Bestimmte Honorare läßt er auf das Konto der Stiftung überweisen. "Da kann man leichter höhere Beträge verlangen als für sich selbst." Ohne das Kapital anzugreifen, könne er jedes Jahr bereits 30 000 Mark verteilen. Da schreibt zum Beispiel eine Familie, daß die Kinder auf dem Boden schlafen müssen, weil sie sich keine Betten leisten können. Der Geschäftsführer der Stiftung sehe sich das an, und dann bekomme die Familie ihre Betten. "Viele westliche Investoren gehen in die neuen Bundesländer, um Geld zu machen, Steuern zu sparen. Sie suchen nur ihren eigenen Vorteil. Da ist es wichtig, daß mal eindeutig etwas reingebracht wird, ohne etwas rausholen zu wollen. Das ist Dank an meine Geburtsstadt."
- Datum 24.10.2008 - 17:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16/1998
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