Auf Madagaskar verläuft der Alltag der Bewohner noch sehr gemächlichSeite 4/4

Auf zerfledderten Straßen geht es durch Zuckerrohrfelder

Nördlich von Antsiranana liegt der Naturpark Montagne d'Ambre. In der Nähe hatten die Franzosen früher ihre kühle Gebirgsresidenz Joffreville. Es ist eine willkommene Abwechslung, im schattigen Forst zu laufen, wenngleich die Moskitos auch hier auf Beute warten. Ausblicke auf Wasserfälle sind freigeschlagen - einer davon ist Treffpunkt der Lemuren. Die berühmten Affen verhalten sich äußerst kooperativ, und wie geübte Photomodelle setzen sie sich in Pose. Ihre Berührung, wenn sie ein Stück Banane oder Orange nehmen, ist überraschend sanft. Dieser Griff der Lemuren wirkt fast wie ein Streicheln, so leise wie ein Windhauch beinahe nur.

Ich reise mit dem Buschtaxi nach Ambanja. Das Hotel "Cocotier", wo der Fahrer mich absetzt, verlangt fünf Mark für ein Zimmer mit breitem Bett. Ich bin der einzige Weiße. Im Café am Markt gibt's kein Bier, denn es ist muslimisch. Aus der Bar "Chez Patricia" schimmert blaues Neonlicht. In dem Moment, in dem ich die Bar erreiche, setzt ein Tropenguß ein. Eine endlose Kette grüner Raupen zieht durchs Unterholz wie eine Touristengruppe.

Nosy Bé gilt als das Touristenzentrum Madagaskars. Die Insel im Nordwesten zieht mehr Besucher an als jeder andere Platz. Und es versteht sich, daß das die Lebenshaltungskosten für die Bewohner hochtreibt, was Rückwirkungen auf die Umgangsformen hat. "Wenn du nicht mit mir gehen willst, dann sieh mich auch nicht an!" sagt mir ein Mädchen.

Taxifahrer entreißen dem Reisenden Gepäck und Entscheidungsfreiheit, um ihn in ein Hotel zu transportieren. Ablehnen kann man dergleichen nicht, denn schließlich kommt man auf den Mont Passot nur mit dem Taxi. Auf zerfledderten Straßen, durch ausgedehnte Zuckerrohrfelder und an verschiedenen Kraterseen vorbei, in der Ferne die rostigen Dächer einer Rumdestillerie, geht es auf einen Hügel von 329 Meter Höhe, von dem aus sich Insel und Nachbarinsel, Land und Meer überblicken lassen.

Der Angestellte im "Hotel Tropical", mit dem ich nach Sonnenuntergang ein wenig plaudere, zeigt eine maßvolle Einschätzung der politischen Lage: "Unser Präsident", meint er, "war in Paris. Er war auch in Brüssel. Er war sogar in Washington. Bei seiner Rückkehr hat er gesagt: Tout va bien. Hoffen wir, daß er recht behält."

 
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