Der Tod ist ein Ungeheuer", schreibt er in seinen Memoiren, "das einen aufmerksamen Zuschauer aus dem Welttheater vertreibt, noch bevor das Stück, das ihn fesselt, zu Ende ist." Ja, er wäre gern geblieben, für immer, wenn ihm nicht die Gebresten des Alters seinen Abschied von der Welt erleichtert hätten: Am 4. Juni 1798 starb er im böhmischen Dux.

Seine Welt, Casanovas Welt, das ist das Thema eines prächtigen Bildbandes, den Eckart Kleßmann als Huldigung zum 200. Todestag des Lebensgauklers und Liebesjongleurs Giacomo Casanova für den Verlag Artemis & Winkler komponiert hat. Eine Promenade durch Europas Residenzen und Theater von Venedig bis Sankt Petersburg im Glanz einer heiteren und zynischen Epoche, als sich die Fürsten (und alle, die sich den Zugang zu ihren Logen erkauft hatten) noch von Gottes Gnaden amüsierten und die Geduld des Volkes unendlich erschien.

Ein Spaziergang auch durch die Galerie mit den Bildnissen all der rosigen Damen und bizarren Herren, die Casanovas Lebensweg kreuzten, wie die Schauspielerin Marie-Madeleine Guimard (hinreißend portraitiert von Fragonard), Prinzipalin eines kleinen erotischen Privattheaters in Paris.

Kleßmanns temperamentvolles, kenntnisschweres und leichthändig erzähltes Zeitstück zeigt den Venezianer weniger als Akteur, als den Abenteurer, denn als Genießer und sein überbordendes (Memoiren-)Werk als Spiegel einer phantastischen, in Kälte lüsternen und, vor allem, flüchtigen Welt, deren einzige Wahrheit die Kunst war.

Eckart Kleßmann: Ein Fest der Sinne Casanova und sein Zeitalter Verlag Artemis & Winkler, Düs seldorf 1998 207 S., Abb., 98,-DM Mehr über Casanova in dieser Ausgabe auf Seite 76.