Maus und Drucker sind für die meisten Rentner Objekte aus einer fremden Welt - ein Kursus soll das ändern

Rechner, vom Enkel geschenkt

Und nicht die Abkürzung nehmen!" Hinter Computermonitoren schauen zehn Augenpaare zur Kursleiterin auf. Ertappt. Ilona Real lächelt wissend: "Sie können beim Starten des Programms nicht quer über den Bildschirm fahren", sagt sie und macht eine ausladende Armbewegung. "Bewegen Sie den Pfeil in dem geöffneten Symbolfenster senkrecht nach oben und erst dann nach rechts."

Die Blicke gehen wieder zum Bildschirm. Brillen werden zurechtgeschoben, auf mancher Stirn bilden sich tiefe Falten. Bis auf das leise Surren der Computer ist nichts zu hören.

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Ganz langsam, ganz vorsichtig bewegen die Teilnehmer ihre Maus. Dann sollen sie klicken, mit der linken Taste auf dem weißen Plastikding, zweimal, aber kurz nur und vor allem schnell. "Draufhauchen", wie es ihre Kursleiterin nennt. Die Maus nicht bewegen und trotzdem ganz lockerlassen. Einigen gelingt es, und erleichtert lehnen sie sich zurück. Auf anderen Monitoren dagegen flimmern rasch wechselnde Bilder. Noch mal von vorn.

"Ich weiß gar nicht, warum ich solche Schwierigkeiten mit dem Doppelklick habe", sagt Valentine Balzer, 64 Jahre alt, zur Kursleiterin gewandt. Dieser Satz kostet sie Überwindung, er kommt zögerlich und sehr verlegen. Zusammen mit fünf weiteren Frauen und vier Männern besucht sie den Computergrundkurs für Senioren bei der Arbeiterwohlfahrt in Essen. "Es hat mich immer fasziniert, wenn andere mit dem Computer umgehen konnten", erzählt sie eifrig. Um ihre Augen tanzen Fältchen. "Ich dachte mir, da mußt du wenigstens mal einen Einblick bekommen. Das Erfolgserlebnis ist natürlich groß, wenn dann mal was klappt."

Inzwischen macht sich am anderen Ende des Raumes Entsetzen breit: "Unsere Datei ist weg", stellen zwei Senioren ungläubig fest. Das Kapitel "Speichern einer Datei" scheint noch nicht verinnerlicht. Ilona Real findet die Daten wieder und beginnt die nächste Lektion.

Computerkurse für ältere Menschen werden zunehmend beliebter. Seit vier Jahren begleitet die Wirtschaftsinformatikerin Senioren bei ihren ersten Klicks und Tastenkombinationen. Wenigstens die Tastatur des rätselhaften Kastens erinnert beruhigend an eine Schreibmaschine. Und damit befinden sich die zwischen sechzig und siebzig Jahre alten Teilnehmer auf bekanntem Terrain. "Da wir vom Papier herkommen", beginnt Ilona Real deshalb manchen Satz und schlägt einen Bogen, um etwa den automatischen Zeilenumbruch zu erklären. "Sie müssen nicht gucken: Wann muß ich in die nächste Zeile? Der Cursor springt von allein dorthin."

Die Kursleiterin hält sich nicht lange mit der Theorie auf. Den Senioren die Angst vor dem Computer zu nehmen, hält sie für ihre wichtigste Aufgabe. Und: "Ich arbeite gern mit älteren Leuten. Die kommen freiwillig und stehen unter keinem beruflichen Druck. Natürlich geht es langsamer als in anderen Kursen, aber die Senioren sind offen und integrieren sich schnell."

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