Auf dem Unterdeck in der dritten Klasse sind die meisten Passagiere schwarz, man schläft dicht gedrängt auf dem Boden auf den mitgebrachten, geflochtenen Schilfmatten. Daneben verschnürte Pappkartons, vollgepackte Sport-taschen und Säcke voller Zuckerrohr.

Diese Ilala ist die zweite ihres Typs. Mit ihrer in alle Einzelteile zerlegbaren Vorgängerin erreichte im vergangenen Jahrhundert der schottische Missionar und Entdecker Robert Laws die Ufer des Malawi-Sees, der damals noch Nyasa-See hieß.

Die Schotten hatten das Schiff aus Europa mitgebracht und waren über die Flüsse Sambesi und den Shire, der den See von Süden her speist, hierher gelangt. Dazu mußten sie das Schiff allerdings zwischendurch einmal zerlegen und von 800 Trägern über Stromschnellen transportieren lassen. Das war 1875.

Kapitän und Crew tragen Shorts und Badeschlappen

Die heutige, zweite Ilala versieht ihren Dienst bereits seit dem Jahr 1948. Das einstige luxuriöse Flair der ersten Klasse ist noch immer zu spüren, inzwischen allerdings bereichert um den Charme des Verfalls und der Nostalgie. Und durch schlichte Nachlässigkeit: Der Toilettenschrank ist verkehrt herum angebracht und die Aufhängung der Gardine ist eingerissen. Aber die Kojen sind richtige Betten! Die Verladegeräusche, die Stimmen und schließlich das Tuckern der Motoren lullen uns in den Schlaf. Als das Schiff losfährt, krabbelt eine verwirrte Kakerlake am Vorhang hoch.

Am nächsten Morgen erschallt über den kleinen quadratischen Bordlautsprecher an der Wand die Stimme des Kapitäns: "Stand by, stand by, arriving Charo, stand by!" Es ist fast sechs Uhr, die Ilala schon ein Stück gefahren, und auf der dem Land zugewandten Seite prasselt ein tropischer Schauer nieder. Auf der anderen Seite geht die Sonne auf. Die Mischung aus niederstürzenden Wassermassen und Sonnenaufgang taucht alles in ein unwirkliches gelbes Licht. Nach zehn Minuten läßt der Regen nach und gibt den Blick frei auf saftig grüne, mit tropischer Vegetation überwucherte Hügel und Berge, an deren Fuß einige Rundhütten stehen. Die Ilala ankert vor der Küste. Nur an wenigen Haltestellen gibt es Anlegestege. Das Beiboot wird mit Zementsäcken beladen. In dem Dorf, am Fuße der Hügel, soll eine Schule entstehen. Fünfmal fährt das Boot hin und her, drei Stunden liegen wir vor Anker.

Später weht warmer Fahrtwind über das sonnige Oberdeck, wo wir auf einer Bank sitzen und die Landschaft wie einen großartigen Naturfilm vorüberziehen sehen. Leuchtend grüne Hügel, sandige Buchten, hin und wieder kleine Dörfer aus Strohhütten.