Falsche FaktenSeite 2/2

Ihre Favoriten unter den Öko-Irrtümern sind die Thesen, daß die "natürlichen Ressourcen für Energie immer knapper" werden und daß "der deutsche Wald stirbt". Sicher, der Club of Rome hat sich mit einer Prognose im Jahr 1974 geirrt. Die Energievorräte reichen, anders als damals vorhergesagt, über die Jahrtausendwende. Das liegt auch daran, daß damals die Entwicklung des Energieverbrauchs falsch eingeschätzt wurde und neue Rohstoffvorkommen gefunden wurden. Nun sind - nach derzeitigen Prognosen - die Erdölvorräte in etwa 40 Jahren erschöpft, die Erdgasreserven reichen für weitere 65 Jahre. An der prinzipiell richtigen Überlegung, Ressourcen nicht zu verschwenden, ändert das aber nichts, auch wenn Maxeiner/Miersch meinen, daß die eigentliche Energie und damit die Lösung aller Probleme "im Kopf" stecken. Es stimmt schon: Die Wälder sind nicht großflächig abgestorben. Die Nadelbäume haben sich wieder erholt und zeigen einen erstaunlichen Zuwachs - die Forstwissenschaftler führen das darauf zurück, daß der Schwefeldioxid-Eintrag deutlich gesunken ist, dafür aber mehr Stickstoff zur Verfügung steht. Die langfristigen Folgen dieses Stickstoff-Eintrags sind völlig unklar, und um die meisten Laubbäume steht es nach wie vor schlecht.

Viele Öko-Irrtümer, auf die sich Maxeiner/ Miersch stürzen, sind gar keine.

Andere sind als solche längst erkannt. Das jedoch ist nicht Ergebnis der Recherchen der beiden Buchautoren, sondern das Verdienst von "scharfsichtigen Umweltexperten, Wissenschaftlern, Naturschützern und Fachjournalisten", wie sie selbst schreiben. Maxeiner/Miersch haben zweifellos eine Menge Material zusammengetragen, leider haben sie es allzu zwanghaft durch die rosarote Brille der Ökooptimisten betrachtet. So bleibt weder von den unbestreitbaren Verdiensten der Umweltbewegung viel übrig, noch kommt die Botschaft an, daß es auch heute noch ernstzunehmende Umweltprobleme gibt. Schließlich nützt es wenig, wenn die Autoren versichern, "kein Anti-Umweltschutz-Buch" geschrieben zu haben, wenn sie dann der Bild-Zeitung einen Vorabdruck als Serie erlauben.

Dort werden aus Irrtümern "Lügen", aus "überraschenden Fakten", wie sie die Autoren auf dem Buchtitel ankündigen, "unbequeme Wahrheiten". Schließlich hätten die "Umwelt-Experten" Maxeiner und Miersch herausgefunden, daß von dem, was Umweltorganisationen behaupten, "wenig wahr, manches halbwahr, das meiste aber falsch" sei. Unter diesen Vorzeichen gerät die angekündigte "Korrektur von Irrtümern" selbst zum Irrtum.

* Dirk Maxeiner, Michael Miersch: Das Lexikon der Öko-Irrtümer.

Überraschende Fakten zu Energie, Gentechnik, Gesundheit, Klima, Wald und vielen anderen Umweltthemen. Eichborn Verlag, Frankfurt/Main, 416 Seiten, 44,-

 
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