"Völlig ab vom Schuß"Seite 2/2

Beispiel Finnentrop: Nach Münster oder Frankfurt müßte man zwar künftig einmal umsteigen, viel länger würde die Reise aber kaum dauern. Von Finnentrop nach Hagen braucht der InterRegio 45 Minuten, die Regionalbahn 48 Minuten. Eng könnte es allerdings zu Randzeiten und am Wochenende werden. Mit dem heutigen InterRegio kommt man am Sonntag bequem von Finnentrop nach Westerland auf Sylt. Abfahrt um 8.07 Uhr, umsteigen in Münster, Ankunft auf Sylt um 15.10 Uhr. Ohne InterRegio kann man sonntags erst um 8.57 Uhr starten und muß dreimal umsteigen: in Hagen, Hamburg und Elmshorn. Wenn er dann um 16.04 auf Sylt ankommt, sinkt der Reisende erschöpft in den Strandkorb.

Natürlich sind das alles erst Planspiele, denn der InterRegio wird kaum ersatzlos gestrichen. Die Dortmunder Westfalenpost behauptet, das Land Nordrhein-Westfalen wolle den Verlust mit RegionalExpress-Verbindungen ausgleichen. Bahn-Sprecher Pietschmann träumt davon, auf der Sauer- und Siegerländer Strecke Wagen mit Neigetechnik einzusetzen. Im kurvenreichen Tal zwischen Hagen und Gießen wären die Züge so 23 Minuten schneller als heute.

Geplant wird vorerst allerdings nicht diese bahntechnische Vision, sondern nur der Abbau.

Und der beschäftigt die Fahrgäste, die dieser Tage im mäßig besetzten InterRegio zwischen Finnentrop und Frankfurt unterwegs sind. "Mir tut es um jede Linie leid, die aufgelöst wird", sagt ein Mann, der zum Frankfurter Flughafen fährt. Allerdings: Den InterRegio benutzen er und seine Frau nur einmal pro Jahr - in den Sommerferien. Im Zug reisen viele Urlauber und jugendliche Tramper, die zwischen monströsen Rucksäcken hocken. In anderen Abteilen studieren Geschäftsleute ihre Akten. Zum Beispiel der Exportmanager aus Nordhorn an der holländischen Grenze, der geschäftlich nach Zürich muß.

Ohne InterRegio wird er künftig von Münster in die Schweiz fliegen, was zeitlich sowieso günstiger wäre. Ein paar Schiebetüren weiter sitzt eine junge Frau aus Bielefeld, die ihren Freund in Frankfurt besucht. Sie fährt durchs Sauer- und Siegerland, um Geld zu sparen. Die Alternative, der ICE, kostet 154 Mark, der InterRegio nur 98 Mark. Nun werde sie aufs Auto umsteigen. Nicht nur die Deutsche Bahn, auch ihre Kunden denken ökonomisch.

 
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