Ein Bariton, so warm, so hell, so volltönend. Mit solchem Stimmkapital läßt sich mühelos eine Weltkarriere bestreiten. Und die hat Hermann Prey gemacht - als ein Mozart- und Rossinisänger, der galantes Temperament verströmte, als der Sonnyboy in Technicolor, der die Popularitätschancen der Massenmedien Schallplatte und Fernsehen früh für sich nutzte, als ein ernster, von aller karikierender Überzeichnung befreiter Beckmesser und als souveräner Liedinterpret, der auch einen gefühligen, "volkstümlichen" Ausdruck nicht scheute. Schuberts Lieder bildeten immer das Herzstück seines Repertoires. In seinen besten Deutungen sang Prey die "Winterreise" und "Die schöne Müllerin" mit einnehmend natürlichem, organisch strömendem Phrasierungsfluß, antipodisch zur intellektuelleren Zugangsweise seines Rivalen Dietrich Fischer-Dieskau. Am 22. Juli ist Hermann Prey in Krailling 69jährig an einem Herzinfarkt gestorben.