In und um BerlinSeite 2/2
Das Buch ist kein Führer durch Berlin by night, sondern Lektüre für alle, die einen Berliner Zustand erkunden wollen. Natürlich geht es dabei um Kneipen, Bars, Sex, Musik, Geister der Vergangenheit und Gespenster der Zukunft. Aber manches in diesem Nachtbrevier kommt doch sehr eitel daher, anderes reichlich ambitioniert. Ein durchaus gemischtes Lesevergnügen also (Rüdiger Schaper (Hg.): Berlin um Mitternacht Argon Verlag, Berlin 1998 160 S., 34 DM).
Das gilt auch für Günter Bellmanns Sammlung von Beiträgen über den Potsdamer Platz, ein Stück Berlin, das wie kein zweites die bewegte Geschichte der Stadt darstellt. Vom Platz mit Zollhäuschen und Militärwache zum Verkehrsknotenpunkt, vom Mittelpunkt hektischen Nachtvergnügens zum Standort für Schieber, Schwarzhändler und Kriminelle, vom Ödland entlang der Mauer zu Europas größter Baustelle - all das paßt auf den Nabel der Berliner Welt.
"Hier brüllt am Tag fieberndes Leben", schrieb der Journalist Hardy Worm.
Aber das kommt bei der Lektüre leider wenig über.
Sehr sachlich ist die Auswahl der Beiträge ausgefallen, zuwenig Erlebtes, dafür aber reichlich Wiederholungen. Der Potsdamer Platz bleibt in dieser Lesart eine große, belebte Kreuzung, aber nicht Zentrum des Berliner Lebens.
Schade. (Günther Bellmann (Hg.): Potsdamer Platz. Drehscheibe der Weltstadt Ullstein, Berlin 1997 248 S., 39,90 DM).
- Datum 30.07.1998 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 32/1998
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