Held der SchweizSeite 5/5
Die Klarheit der Klassik, der Hall der Romantik - wie kann das in einem Saal zusammengehen? Johnson löste das Problem mit einer in der Höhe verstellbaren Schalldecke. An den Seiten des Saales gibt es Echokammern, die je nach Auffassung des Dirigenten wie Scharniere auf die klanglichen Eigenarten einer Komposition hin geöffnet oder geschlossen werden können, wie die Kiemen beim Fisch.
Alles harte Nüsse für einen Architekten, der die Poesie in der Gestalt und nicht in den Tönen sucht. Held verstand es, die streitbaren Herren zusammenzuhalten, zu versöhnen, zu Höchstleistungen zu animieren. Selbst auf die Farbsymphonie in Blau und Rot im Innern des Saales verzichtete der Pariser Innenarchitekt zugunsten des makellosen Weiß der Johnsonschen Gipsreliefs. Allerdings hatten auch die Dirigenten Abbado, Sinopoli und Ashkenazy gegen die Orgie in Rot-Blau ihre Bedenken geäußert. Farbe soll die Musik, sollen nicht die Wände bringen.
Im Herbst 1996 fand das letzte Konzert im alten Meili-Bau der Luzerner Musikfestwochen statt, sinnig mit den vier letzten Liedern von Richard Strauss. Am nächsten Tag kam die Abrißbirne. Am 18. August wird nun, zwei Jahre früher als geplant, der neue Konzertsaal eröffnet mit den in Luzern lebenden Künstlern James Galway (Flöte) und Vladimir Askenazy (Pianist/Dirigent). Zuhören wird ein Künstler, dessen Namen man in keinem Musik- oder Architekturlexikon je finden wird, Thomas Held.
- Datum 13.08.1998 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 34/1998
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