Wissenschaftler sind auch nur Menschen: Sie wollen berühmt werden. Und wenn schon nicht berühmt, dann soll die Sache wenigstens Spaß bringen. Mit dem Spaß allerdings ist das schwierig - er kann einem in der Wissenschaft schnell abhanden kommen.

Es war um 1992, als Dean Hamer in die Krise geriet. Seine schönsten Jahre hatte er damit zugebracht, herauszufinden, wie die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae ein bestimmtes Gen zur Metallbindung an- und wieder abschaltet.

Nicht, daß das eine Frage ohne Relevanz gewesen wäre - nur interessierte sie außerhalb des Labors niemanden. Dean Hamer konnte das verstehen. Wenn er zu Tagungen fuhr, wo eine Handvoll Experten über ihre neuesten Fortschritte auf dem Gebiet der Regulation des Metallothionein-Gens der Bäckerhefe berichteten, mußte er aufpassen, nicht einzuschlafen. Er war vierzig Jahre alt, Abteilungsleiter eines angesehenen Forschungsinstituts und langweilte sich zu Tode.

Was ist schon spannend im Leben? Sex, Drugs, Rock 'n' Roll und vielleicht noch die Frage, warum wir alle sterben müssen. Okay, mag sich Dean Hamer gesagt haben, fangen wir an mit dem Sex. Warum sind manche Männer schwul?

Wenn einer von Beruf Genetiker ist, außerdem bekennend schwul (wie Hamer selbst), liegt die Vermutung nicht fern, daß diese Vorliebe irgend etwas mit den Genen zu tun haben könnte. Hamer machte sich also an den Beweis, sammelte Blutproben, studierte Familienstammbäume und hatte endlich wieder ein Erfolgserlebnis.

"Es klingt vielleicht billig", gesteht er, "aber als ich das Ergebnis sah, rief ich heureka!" Bei 33 von 40 homosexuellen Brüderpaaren hatte er eine Mutation auf dem X-Chromosom gefunden. Die Zeitungen, selbstverständlich, machten daraus "das Schwulen-Gen". Weil X-Chromosomen mütterlicherseits vererbt werden, hatten sie auch die passende Überschrift parat: "Thanks, Mom!" Konservative schäumten, Schwulenorganisationen gerieten in Aufruhr, und der heterosexuelle Mann am Stammtisch konnte endlich einmal sicher sein: "Ich hab' immer gewußt, daß diese Brüder andersrum sind."

Die Forschung, muß man leider sagen, ist seitdem nicht groß vorangekommen.