Berlin Veljkovic, Safy, Yilmaz" * steht auf den Briefkästen in der Berliner Pannierstraße 59. Özkan, Kösece, Nguyen * - auch einige Straßenecken weiter, in der Erkstraße 5, künden Namensschilder von multikultureller Mieterschaft.

Die Ladengeschäfte im Erdgeschoß heißen Chinarestaurant Peking und Coiffeur Süzük. Einen Kilometer entfernt, Urbanstraße 29, ein stattliches Haus mit zwei Aufgängen, auch hier ist im Parterre die internationale Küche zu Hause: Taverna Yakamoz, Polat Kebab Imbiß, arabische Bäckerei. Der Eigentümer dieser drei Häuser hat nichts gegen Ausländer - solange sie die Miete zahlen. Als Geschäftsmann kann er schließlich rechnen. Im Zweitberuf ist der Hausbesitzer Politiker, da hält er es eher mit dem Reden und Schreiben. Ausländer sind ihm dabei nicht willkommen.

Der Name des Hausbesitzers steht an keinem stillen Portier. Es ist Gerhard Frey, Geschäftsmann aus München und Chef der rechtsradikalen DVU. Allein in Berlin, so hat der Mieterverein recherchiert, gehören Frey und seiner Frau Regine 33 Häuser. Ein stattlicher Immobilienbesitz. Rund 600 Mietparteien zahlen allmonatlich an die Adresse "G. Frey, Postfach 600464 in München". 650 Mark für eine Einzimmerwohnung mit Heizung, gut 1000 Mark für ein Ladengeschäft - die Preise liegen im Berliner Schnitt.

Freys Immobilien befinden sich vor allem in den klassischen Westberliner Arbeiterbezirken, es sind keine Prunkbauten, eher zum Teil abgewohnt-verschmuddelte Mietskasernen. "Mit diesen Häusern", urteilt Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, "läßt sich nicht das große Geld machen." Frey praktiziert keine lukrative Umwandlung in Eigentumswohnungen, und auch in der überhitzten Konjunktur nach dem Mauerfall hat er nicht mit der schnellen Mark spekuliert - "die Häuser", vermutet Vetter, "sind eher Kapitalanlagen für die Millionen, die er aus anderen Quellen zieht". Es können keine schlechten Einnahmequellen sein - Freys Wohnungsimperium in Berlin ist seit den achtziger Jahren sukzessive gewachsen, nach dem Mauerfall hat er im Ostteil Berlins vier Häuser dazuerworben.

Viele Frey-Mieter erfuhren erst nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, an wen sie die Miete bezahlen. Ansprechpartner bei tropfenden Wasserhähnen und zugigen Fenstern ist die "Interessenvertretung der Hausverwaltung" mit Sitz in einem der Frey-Häuser. Bei Rechtsstreitigkeiten korrespondiert man mit einem Berliner Anwalt. Wer die Miete pünktlich zahlt, kann ruhig "Nazis raus"-Aufkleber an seine Wohnungstür kleben oder "Dem Haß keine Chance" im Treppenhaus plakatieren. Geld verhält sich in diesem Falle ganz unideologisch.

Dann standen, nach den jüngsten Wahlerfolgen der DVU, plötzlich die Journalisten vor den Wohnungstüren der Mieter. Wie es sich denn wohnt im Haus eines Rechtsradikalen, wollten die Reporter wissen. "Zahlst du etwa Miete an den Kerl?" mußten sich Frey-Mieter im Bekanntenkreis löchern lassen. Anfang Juni schlossen sich einige von ihnen zu einer Initiative zusammen. "Wir befinden uns in der unerträglichen Situation, mit unserem Geld direkt eine Politik zu unterstützen, die ein friedliches und tolerantes Miteinander im Haus wie auch in der Gesellschaft zerstören will", schrieben die "MieterInnen gegen die DVU" und riefen dazu auf, Frey den Geldhahn zuzudrehen. Zumindest bis zu den Bundestagswahlen wolle man die Miete um jene 30 Prozent mindern, die, so schätzt man, wohl der DVU zufließen. Ein Anwalt wälzte die Gesetzesbücher und fand nach langer Suche eine Begründung, die allerdings "einem Richter einige Phantasie abverlangt": Die Tatsache, daß man mit der Miete indirekt auch die DVU unterstütze, stelle einen erheblichen Mangel an der Wohnung dar sozialer Druck aus dem Freundeskreis, Verunsicherung bei der ausländischen Mieterschaft, Störung des Hausfriedens, Angst, zum Angriffsziel von Linksradikalen zu werden - all das rechtfertige eine Kürzung der Miete.

Eine Wohnung mit politischen Mängeln? Diese Argumentation hat nur wenige überzeugt. Gerade drei Mietparteien beteiligen sich jetzt an der spektakulär angekündigten Boykott-Aktion. Schon einmal, anfang der neunziger Jahre, war der Mieterprotest gegen den rechtsradikalen Hausbesitzer sang- und klanglos eingeschlafen. Den Bewohnern der Frey-Häuser bleibt nur das Unbehagen. "Ein blödes Gefühl, eine Partei zu finanzieren, die gegen Ausländer hetzt", meint eine türkische Mieterin, die ihren Namen lieber nicht genannt wissen will, "aber sollen wir deshalb ausziehen?" Gern würde sie ihrem Hausbesitzer ihre Empörung einmal direkt ins Gesicht sagen. Aber bei seinen Mietern ließ Gerhard Frey sich nie blicken.