Halbstarke Stimmen

Die Rechtsextremisten sind immer noch gefährlich

Man weiß nie genau, woran man ist mit den Wählern. Da hatten noch im April 12,9 Prozent der Sachsen-Anhaltiner Angst und Schrecken verbreitet, indem sie aus Protest, aus Dummheit oder Böswilligkeit der rechtsextremen DVU ihre Stimme gaben - und das, ohne ihre Absicht vorher bei den Meinungsforschern anzumelden. In den vergangenen Monaten kam es dann zu dem einen oder anderen NPD-Aufmarsch in Mecklenburg-Vorpommern; besorgte Reporter überregionaler Zeitungen schwärmten aus, um sich ein Bild von der Skinhead-Front in den Ostprovinzen zu machen. Den rechten Straßenterror fanden sie, weil es ihn wirklich gibt. Doch was hieß all dies für die Wahlchancen der Rechtsextremen bei der Bundestagswahl? Die Prognosen der Demoskopen waren in dieser Hinsicht beruhigend - hatten sich die Rechtswähler wiederum erfolgreich getarnt?

Jetzt ist klar, daß DVU, NPD und Republikaner ziemlich erfolglos blieben: Zusammen kamen sie im Bund nur auf gut drei Prozent der Stimmen. Das ist keine Massenbewegung. Wieder einmal kristallisierte sich allerdings unter den Wählern dieser Parteien eine wohlbekannte Problemgruppe heraus: die jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren. Beinahe jeder fünfte von ihnen hat im Osten, beinahe jeder zehnte im Westen die Rechtsextremen gewählt. Die Tatsache, daß sie meist eine schlechte Schulbildung und noch schlechtere Berufsaussichten haben, ist keine Entschuldigung für ihre Gesinnung, wohl aber ein Ansatzpunkt für entschlossene politische Intervention - jedenfalls, wenn man nicht allein darauf vertrauen möchte, daß sich rassistische Einstellungen und demokratiefeindliche Attitüden einfach auswachsen.

Viertens verkörpert Gerhard Schröder (anders als Reinhard Höppner) den Typus des Tatmenschen, des politischen Führers, der Fabriken kurzerhand kauft, um Arbeitsplätze zu erhalten. Bei denjenigen aus der rechten Sympathisantenszene, die in der Lage sind, es wahrzunehmen, kommt letzteres gut an.

 
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