Schweizer Hasardeure

Europas größte Bank, die neue UBS, gerät ins Zwielicht

Mitgefangen, mitgehangen. Die schweizerische UBS, größte Bank Europas und größter Vermögensverwalter der Welt, war bei dem New Yorker Hedge-Fonds Long Term Capital Management (LTCM) engagiert. Mit diesem halbseidenen Geschäft verlieren die Schweizer Bankiers nicht nur eine Milliarde Mark, sondern gleich auch noch den Ruf der Seriosität - ihr wichtigstes Kapital.

Bei UBS gibt es freilich noch mehr zu beklagen als nur diesen massiven Verlust. Gleichzeitig machten die Banker weitere Miese von über einer Milliarde Schweizer Franken in den übrigen Aktienanlagen und Handelsgeschäften - und es scheint, als hätte das Mißmanagement System. Bereits vor einem Jahr hatten sich Verluste von 625 Millionen Franken mit Derivaten und japanischen Wandelanleihen angehäuft.

Denn die alte UBS gibt es nicht mehr, sie wurde von Cabiallavetta mit dem Schweizerischen Bankverein fusioniert - oder ihm ausgeliefert, wie Kritiker behaupten. Tatsächlich nehmen heute fast alle Spitzenpositionen der neuen UBS Bankverein-Manager ein. Cabiallavetta wurde zwar Präsident der neuen Riesenbank, die Geschäftsleitung übernahm aber Marcel Ospel vom Bankverein. Dutzende von Spitzenleuten blieben auf der Strecke. Kein Wunder, daß die Motive Cabiallavettas zur Fusion plötzlich mit den im vergangenen Jahr aufgelaufenen Verlusten erklärt werden. Der Journalist Dirk Schütz schreibt in einem Buch über den Fall der UBS, daß der Chef seinen Kopf aus der Schlinge habe ziehen wollen und den Rest geopfert habe, die Leute und das Institut. Soweit die alten Feinde.

Die neuen erwachsen dem UBS-Präsidenten unter den Bankverein-Leuten in seinem Kader. Die haben den Eindruck, die alte UBS habe ihnen faule Eier untergejubelt. Da sie einen Teil des Lohns in Wertpapieren der UBS erhalten, spüren sie Verluste direkt im Portemonnaie. Sogar Chief Executive Ospel ging auf deutliche Distanz zu seinem Präsidenten und betonte, das Risikogeschäft sei die alte UBS eingegangen.

Doch der beschädigte Ruf der UBS ereilt auch Marcel Ospel. Noch vor gut vier Wochen hatte er die Halbjahresresultate der neuen Großbank präsentiert: Fast ein Viertel mehr Gewinn sei eingefahren worden und für das Jahr dürfe man immerhin mit zehn Prozent mehr rechnen. Als Ospel die frohe Botschaft verkündete, raste der Hedge-Fonds in New York bereits dem Nullpunkt entgegen. Kein Wunder, daß solche Schönfärberei den UBS-Kurs taumeln ließ. Der hat sich seit Juli rund halbiert. Obwohl die Schweizer Großbankiers vehemente Anhänger des Shareholder value sind, verloren die Aktionäre rund sechzig Milliarden Franken. Keine andere Geschäftselite der Schweiz hat so viel Buchwert vernichtet wie jene der UBS.

Dabei hängt Wohl und Wehe des schweizerischen Finanzplatzes allein von den Direktionsetagen des Crédit Suisse und der UBS ab - deren Geschäftsgebaren nun Schockwellen in der gesamten internationalen Bankenwelt auslöste. Ein "Systemrisiko" für den ganzen Globus habe die wilde Spekulation des Hedge-Fonds dargestellt, sagten die Behörden in New York.

An diesem Risiko beteiligte sich die UBS als einer der größten Eigenkapitalgeber. Sie hatte sich selbst unter Druck gesetzt. Gehetzt von ihrem Hauptaktionär und Außenseiterbanker Martin Ebner wollte man Renditen von 15 oder 20 Prozent vorzeigen können. Für dieses Kunststück war die anfänglich rasch steigende Erfolgskurve des Hedge-Fonds gerade recht. Man habe die Beteiligung an Kunden der UBS weitervermitteln wollen, war die Ausrede. Aber darf eine Bank ein Jahr lang auf einer solchen Wundertüte sitzenbleiben, wenn sie diese Kunden nicht findet? Darf sie überdies dem spekulierenden Personal des Hedge-Fonds noch eine halbe Milliarde Dollar auf sieben Jahre ausleihen und damit dessen Hebelwirkung ein weiteres Mal vervielfachen?

Andere deutsche Kreditinstitute scheinen in den Fall nicht direkt verwickelt zu sein. Die Deutsche Bank beteiligt sich allerdings mit 500 Millionen Mark an der Rettungsaktion, bei der ein internationales Konsortium aus 14 Banken insgesamt 3,5 Milliarden Dollar für den Hedge-Fonds lockermacht.

Bluten müssen aber nicht nur die Banken. Auch namhafte deutsche Unternehmen sollen größere Beträge bei LTCM angelegt haben.

Mitarbeit: Mario Müller

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 1998
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  • Schlagworte UBS | Finanzen | Deutsche Bank | Schweiz | Franken | Europa | New York
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