Meine Eltern haben einen Bauernhof mit Ackerbau und Schweinemast. Dieser Hof hat meine Berufsplanung geprägt. Ich hätte mir zwar gut vorstellen können, Biologie zu studieren oder auch Krankenschwester zu werden, aber mir war klar, daß ich den Hof weiterführen wollte, und das läßt sich nicht mit einer anderen Berufstätigkeit vereinbaren.

Ich habe nach dem Abitur eine hauswirtschaftliche Lehre begonnen. Landwirtschaft zu lernen hätte mich zwar gereizt, aber meine Eltern meinten, dabei würde ich "zum Mann". Mein erstes Lehrjahr verbrachte ich auf einem Hof bei Dülmen, mit "Familienanschluß".

Das war super: Mit einem anderen Lehrmädchen teilte ich ein Doppelzimmer, wir haben uns bombig verstanden. Unsere Chefin war streng, aber sie hat uns vieles beigebracht - Hauswirtschaft, Möbelpflege, Kochen, Garten, Vorratshaltung, Hühner schlachten und marktfertig zubereiten, alles! Jedes zweite Wochenende hatten wir frei, dann holte mich meine Mutter ab.

Wie üblich in dieser Ausbildung, wechselte ich nach einem Jahr die Stelle und zog auf einen Hof im Kreis Warendorf. Dort war das Verhältnis zur Chefin eher freundschaftlich, überhaupt war der ganze Hof anders strukturiert. Er hatte eine Reithalle, die mir gewissermaßen zum Schicksal wurde. Nicht nur, weil ich die Gelegenheit nutzte, durch Reitstunden meine Angst vor Pferden loszuwerden, dort lernte ich auch meinen Mann Hubert kennen. Er hatte gerade seinen Arm in Gips, konnte nicht arbeiten und kam aus Langeweile öfter mal vorbei. Wir hatten viel Spaß damals, die Landjugend sorgte schon dafür, daß man auf dem Hof nicht versauerte!

Nach der Prüfung wollte ich doch noch Landwirtschaft lernen, ich mußte einfach mehr Ahnung vom Schweinefüttern und von der Feldbestellung haben, wenn ich den Hof übernehmen wollte. Meine Eltern und ich einigten uns auf ein einjähriges Praktikum, auf einem Hof, nicht weit von meinem jetzigen Zuhause. In der Berufsschule wurde ich mit meinen 22 Jahren zwischen den 16jährigen Mitschülern etwas belächelt.

Als meine drei Lehrjahre zu Ende waren, ging ich zurück nach Hause. Man empfing mich mit einer Riesenfete. Nachbarn hatten die Hofdurchfahrt mit Grün geschmückt, es gab Musik, und es war toll, wie sich alle freuten, daß ich wieder da war! Inzwischen kannten Hubert und ich uns schon zwei Jahre, und wir hätten gerne geheiratet. Aber es gab ein Problem, das wir ratlos vor uns herschoben: Seine Eltern hatten auch einen Hof, den nur er hätte übernehmen können. Meine Eltern wußten von unserem Dilemma, seine nicht. Für die war es sonnenklar, daß ich bei ihnen einheiraten würde. Aber der Boden auf dem Hof meiner Eltern ist einfach besser, wie auch die Lage vorteilhafter ist, weil man sich dort vergrößern kann.

Als wir uns 1984 verlobten und Huberts Eltern sagten, wir würden den Hof meiner Eltern weiterführen, war es ein Schock für sie. Aber schon wenige Monate später wendete sich das Blatt: Meinem Schwiegervater mußte ein Bein amputiert werden, und da sagte Hubert, er müßte nun doch zu Hause bleiben. Ich stand vor der Wahl, den Mann sausenzulassen oder unseren Hof. Ich ging mit ihm.