Vor dem Gesetz sind alle gleich, lautet eine zentrale Vorschrift der deutschen Verfassung. Doch wer weder einen Rechtsanwalt noch die Gerichtskosten zahlen kann, hat bei juristischen Konflikten kaum eine Chance. Prozeßkostenhilfe bekommt nur, wer ähnlich einem Sozialhilfeempfänger extrem wenig Geld hat. Alle anderen müssen bei jedem Streit die Kosten selber übernehmen - zumindest vorerst. Zwar kann der Sieger vom Verlierer nach einem Prozeß sein Geld zurückfordern. Doch bis dahin ist es weit. Schon für eine erste Beratung verlangen manche Anwälte über 350 Mark.

Daß es billiger geht, beweist ein neues Angebot aus Berlin. Unter einer bundesweit einheitlichen Telefonnummer (0190/87 32 40) offeriert die in der Bundeshauptstadt ansässige Firma Global Connect eine telefonische Rechtsberatung und nennt das Ganze InfoGenie!Recht. Wer die 0190-Nummer wählt, landet allerdings nicht bei Global Connect, sondern wird automatisch mit einem Rechtsanwalt verbunden. Für 3,63 Mark pro Minute hilft der Jurist dem Anrufer bei seinen rechtlichen Problemen. Bezahlt wird - wie bei anderen 0190-Nummern - über die Telefonrechnung.

"Das Beratungsgespräch dauert im Durchschnitt sechs Minuten", berichtet Global-Connect-Geschäftsführer Markus Semm. Mit knapp über 20 Mark sei das Telefonat somit im Vergleich zu den meisten Rechtsanwälten unschlagbar billig, lobt der Hotline-Erfinder Semm sich selbst. Zudem erhalte jeder Anrufer an sieben Tagen in der Woche eine prompte Auskunft (8 bis 22 Uhr). Auch die Anonymität eines Telefongesprächs sieht Semm als Vorteil. Gerade bei delikaten Rechtsfragen, wie zum Beispiel den Konsequenzen einer drohenden Vaterschaftsklage, wollten viele Ratsuchende ihren Namen nicht nennen. Dies sei bei einem persönlichen Kontakt mit einem Anwalt kaum möglich, da in der Regel für die schriftliche Rechnung Namen und Anschrift des Mandanten benötigt würden.

Offensichtlicher Nachteil: Der Hotline-Nutzer kann kein Vertrauensverhältnis zu dem Anwalt am anderen Ende der Leitung aufbauen. Dieser nennt am Anfang des Telefonats zwar seinen Namen, kann aber bei nochmaligem Bedarf nicht gezielt ein zweites Mal angerufen werden. Denn es ist reiner Zufall, zu welchem Anwalt der Anrufer durchgestellt wird, wenn er die zentrale Hotline-Nummer wählt.

Auch sind die beratenden Anwälte keinesfalls Angestellte von Global Connect, sondern Geschäftspartner, die lediglich die von der Berliner Firma geschaffene Infrastruktur nutzen. Für dreieinhalb Stunden am Info-Telefon zahlen die Juristen 50 Mark an Global Connect. Von den 3,63 Mark pro Minute, die jedem Anrufer in Rechnung gestellt werden, erhalten die Anwälte 2,86 Mark, die restlichen 77 Pfennig bekommt die Telekom.

Der Beratungsvertrag wird nur zwischen dem Anwalt und dem jeweiligen Anrufer geschlossen, betont Global-Connect-Geschäftsführer Semm. Das Oberlandesgericht München hatte dies zunächst anders gesehen und die Hotline vorübergehend verboten. Inzwischen hat sich Global Connect aber vor Gericht durchsetzen können.

Viele Rechtsanwaltskammern sehen die Hotline trotzdem weiterhin kritisch und bemängeln unter anderem, daß die Anrufer keine schriftliche Auskunft erhalten. Dies sei keinesfalls zwingend, kontert Semm. Wer eine falsche Auskunft fürchte, könne am Telefon jemanden mithören lassen, um bei einem späteren Haftungsprozeß einen Zeugen zu haben.