Ziemlich nüchtern kommentiert Bernd Burger das Wahlergebnis: "Für uns ist es eher unerheblich." Von den Sorgen etablierter Unternehmer, wie zum Beispiel der mit der Einkommensteuer, spürt das junge Unternehmen zur Zeit noch wenig. Parteipolitik ist für Burger nicht das wichtigste: "Wir wollen Arbeitsplätze schaffen. Schließlich haben wir auch eine soziale Funktion." Spannend findet er allerdings, wie die SPD die Ideen ihres designierten Wirtschaftsministers Jost Stollmann verdauen wird. Der hatte schon während des Wahlkampfes in den ihm fremden Reihen immer wieder für Empörung gesorgt.

Burger ist Chef der Deutschen Phone Sat Holding im brandenburgischen Dahlwitz-Hoppegarten. Höchst komplexe Satellitentechnik ist sein Geschäft. Lange Zeit fand er bei Geldgebern und Banken kein Gehör: "Kein Mensch in Deutschland verstand uns." Dabei agiert Burger auf einem weltweiten Wachstumsmarkt. Schließlich klappte es Anfang vergangenen Jahres doch noch. Burger konnte endlich starten. Etwa 15 Millionen Mark setzte er 1997 bereits um; derzeit werden 105 Mitarbeiter beschäftigt.

Große Pläne treiben den Spitzentechniker um: Sobald sich die Turbulenzen auf dem Finanzmarkt gelegt haben, will er ausgerechnet an die New Yorker Börse Nasdaq. Warum nicht nach Frankfurt? "Wir wollen uns bewußt dem kritischen Blick unserer ehemaligen Erbfeinde aussetzen", sagt Burger.

An den Äußerungen des künftigen Kanzlers Schröder zum Thema Innovation und Hochtechnologie hat er nichts auszusetzen. Er hofft, daß die Neuen in Bonn nicht nur reden, sondern auch machen. Er selbst ist davon überzeugt, daß nach den neuen nun den alten Bundesländern eine schmerzliche Roßkur bevorsteht. Bislang sei mit Subventionen vieles erhalten worden, was im Osten längst weggeräumt wurde. "Meine Sorge ist", so Burger, "daß wir nach den Jammer-Ossis nun bald die Jammer-Wessis haben." Der ehemalige Ministerpräsident Lothar Späth, heute der Chef von Jenoptik, habe längst davor gewarnt, daß dem Westen noch bevorsteht, was im Osten durchgezogen wurde. "Doch das hat dort wohl noch nicht jeder verstanden."