Natürlich war der Wunsch Vater des Gedankens. "Erst gewinnt Rot (na klar, Schumacher auf Ferrari) und dann Schwarz", hatte Bernd Lindecke prophezeit. Fehlanzeige. Dennoch sieht der 40jährige Unternehmer, der sich vor zehn Jahren in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Bad Salzuflen selbständig gemacht hat, die Welt nicht untergehen. Im Gegenteil: "Am Tag nach der Wahl habe ich Investitionen in Millionenhöhe beschlossen", sagt er - und will das durchaus als Signal verstanden wissen.

Als Zulieferer für die Auto- und Hi-Fi-Industrie hat sich Lindecke in einer Nische als Weltmarktführer etabliert: Er erfand ein Verfahren, Lautsprechergitter nicht mehr aus Metalldraht, sondern aus Kunststoff herzustellen, und beliefert jetzt Firmen wie Mercedes, Ford und Rover, Sony und Toshiba. Mit 36 Mitarbeitern wird er in diesem Jahr auf mindestens zwölf Millionen Mark Umsatz kommen - zwölfmal soviel wie beim Start vor zehn Jahren. Und die allerneuesten Technologien, die er gerade geordert hat, sollen seine Erfolgsstory aus der Ära Kohl nun ins Schröder-Zeitalter fortschreiben.

Von Anfang an setzte Lindecke auf die Kombination von innovativen Produkten, modernster Technik - und einem christlich-konservativen Weltbild. Sein Credo: Ein Unternehmer muß Verantwortung übernehmen - für seine Belegschaft und die Gesellschaft insgesamt. Neue, alte Werte braucht das Land. "Es ist ein Unding, daß Gewinne privatisiert, aber Verluste der Allgemeinheit aufgebürdet werden", sagt er. Man müsse nun mal zu den Risiken stehen, die man eingeht. Und wenn sich andere über zu hohe Löhne in Deutschland beklagen, kann er sich nur wundern: "Wenn die Leistung stimmt, zahle ich gern gute Gehälter - die Leute müssen doch heute die Hälfte ihres Nettolohns allein für die Miete ausgeben." Allerdings wünscht er sich flexiblere Arbeitszeiten.

Die dringend nötige Steuerreform erhofft er sich als Entlastung quer durch alle Schichten, um den Binnenmarkt zu stärken. Auch eine Ökosteuer kann er sich vorstellen: "Ich will, daß meine beiden Töchter auch noch was von diesem Globus haben", sagt er, "es ist unvorstellbar, wie zum Beispiel die fossilen Energien verballert werden. Da ist die Wirtschaft gefordert, innovative Produkte zu entwickeln, die unsere Ressourcen schonen." Die Politik sollte aber alternative Energieformen entschiedener fördern.

Europa und der Euro liegen dem westfälischen Unternehmer mit weltweiter Kundschaft besonders am Herzen - da war ihm Kohl bislang der Garant für Fortschritt. Doch inzwischen glaubt er, daß Schröder mit Jospin und Blair wohl besonders gut klarkommt: "In Europa regieren ja viele Sozialisten. Die werden das gemeinsame Haus schon weiterbauen."