Der Sonntag war für Birgit Papcke ein schwarzer Tag - da hat die 36jährige Jungunternehmerin aus Bayern nur "roter als rot" gesehen. "Ich bin entsetzt", gibt sie zu, "ich bin regelrecht in Schockstarre." Die ehemalige Opposition, die nun die Regierung bilden wird, hat sie nur als "Hetzer" erlebt: "Als Unternehmerin würde ich keine Geschäfte machen mit so jemandem wie Schröder, der nur meckert und die Konkurrenz schlechtmacht." Dabei ist auch ihr klar, daß Kohls Zeit abgelaufen war - noch zwei Tage vor der Wahl hatte sie zugegeben: "Ich bin sehr enttäuscht von der Politik und von Kohl."

Vor zweieinhalb Jahren gründete die junge Kauffrau gemeinsam mit einem Techniker die Firma Green Tech für innovative Trockeneis-Anlagen. Die finden jetzt Einsatz beim Säubern der Schweißstraßen von BMW, zum Beispiel, oder der Reifenformen bei Continental, aber auch im Denkmalschutz, zur Fassadenreinigung - und das ohne Einsatz von Wasser oder gar Chemie. Daß diese umweltfreundliche Technik womöglich von einer Ökosteuer profitieren könnte, war der Jungunternehmerin bislang nicht klar. Mit dem Reizwort verbindet sie höhere Benzinpreise - und die gingen doch in erster Linie zu Lasten der Unternehmer.

Schon unter der letzten Regierung hatte sie den Eindruck, daß ihr als Gründerin nur Steine in den Weg gelegt werden. "Wir werden immer als Vorbild hingestellt, aber die Hilfe ist gleich Null", meint die Erfolgsfrau, die mit neun Mitarbeitern an die drei Millionen Mark Umsatz macht - ein Drittel davon im Ausland. Sie würde sich wünschen, daß Existenzgründer Berater zur Seite gestellt bekämen, die sich im Dschungel der Fördermittel auskennen. Und die auch Hilfestellung geben beim bürokratischen Kampf um Forschungsgelder, damit sie ihre patentierten Produkte weiterentwickeln kann.

Das größte Problem jedoch sieht sie in zu hohen Lohnkosten: So würden Unternehmer mit Gewalt aus dem Land getrieben. Zumal das soziale Netz viel zu engmaschig sei und deshalb viele gar nicht arbeiten wollten. Sie jedenfalls sucht händeringend Mitarbeiter - auch mit geringer Qualifikation. Ihr Fazit: "Die Deutschen müssen umdenken. In anderen Ländern wissen die Leute Arbeitsplätze zu schätzen."

In einem Punkt allerdings wünscht sie sich mehr soziales Engagement von der Regierung: "Es gibt massenhaft arbeitslose Erzieher, aber längst nicht genug Möglichkeiten zur Kinderbetreuung", sagt sie und gibt zu: "Das war sogar in der DDR besser." Nein, sie fühle sich als Frau nicht benachteiligt. Aber: "So wird mit Akribie verhindert, daß Frauen berufstätig sind - damit die Arbeitsplätze den Männern bleiben."

Wenn Schröder jetzt tatsächlich eine konzertierte Aktion startet, wenn er Lehrstellen fördert und in Innovation und Forschung investiert, dann findet die Jungunternehmerin das alles prima. Nur: "Ich glaube nicht, daß er das wirklich tut. Ich traue ihm einfach nicht über den Weg."