Für Helmut Schmidt schwärme er ja schon lange, erzählte Cui Jian. Und setzte sich dann, ein bißchen schüchtern, zum Altkanzler an den Tisch. Cui Jian schüchtern? Chinas Rocklegende, wegen seiner unbequemen Texte in der Hauptstadt mit einem Auftrittsverbot belegt, bei seinen Konzerten in der Provinz aber von Zehntausenden umjubelt, feierte am Freitag der vergangenen Woche mit rund 200 anderen Gästen die Eröffnung des neuen Pekinger ZEIT-Büros.

Georg Blume und Chikako Yamamoto, die früher für uns aus Tokio berichteten, schreiben nun aus China - aus einem Land, das sich in halsbrecherischem Tempo modernisiert, in dem die Gegensätze zwischen Arm und Reich mit aller Härte aufbrechen, das sich politisch zaghaft öffnet, dabei aber stets wieder in Willkür zurückfällt. Aus einem Land schließlich, das sich derzeit mit aller Kraft dem Übergreifen der asiatischen Finanzkrise entgegenstemmt.

Kein leichtes Feld für kritischen Journalismus. Ausführlicher als bisher will diese Zeitung über den gewaltigen Umbruch in der Volksrepublik berichten. Und natürlich fair. Aber bitte auch "objektiv", mahnte prompt Mei Zhaorong, Chinas ehemaliger Botschafter in Bonn, beim Empfang im Pekinger Kempinski-Hotel. Dazu kein Widerspruch. Aber möglicherweise wird man gelegentlich über Definitorisches streiten müssen: Was ist fair, was objektiv?

Die ZEIT in Peking: Das Willkommen war herzlich. Es gab viele gute Wünsche für unsere künftige Arbeit im Reich der Mitte. Spannend genug wird es allemal sein, den Aufstieg Chinas zu einer Supermacht des 21. Jahrhunderts mitzuverfolgen.

"Die Wahrheit in den Tatsachen suchen" lautete die oberste Maxime des Reformers Deng Xiaoping, die auch von seinen pragmatischen Nachfolgern in Ehren gehalten wird. Bei Lichte betrachtet kein schlechtes journalistisches Motto, gerade in China. Sagen wir: eine Herausforderung.