Arndt von Bohlen und Halbach war der letzte Erbe der Krupp-Dynastie. Er hat das Erbe nie angetreten. Er war nicht willkommen, nicht in der Familie und nicht bei der Firma, die 150 Jahre Industriegeschichte prägte. Aus der Boulevardpresse der siebziger Jahre sind lediglich die Stationen seines Verfalls bekannt - der "reichste Frührentner Deutschlands", der Henriette Prinzessin von Auersperg heiratete, obwohl alle Welt wußte, daß der Bräutigam homosexuell war. Das folgende Kapitel "Szenen einer Ehe" ist ein Vorabdruck aus dem jetzt bei Hoffmann und Campe erscheinenden Buch über den letzten Krupp.

Salzburg im Februar 1969. Herbert von Karajan war wieder in der Stadt. Die letzten Proben einer neuen Siegfried-Inszenierung für die Osterfestspiele. Natürlich logierte der Meister im "Goldenen Hirsch" an der Getreidegasse. Als ihm die Hoteldirektion von einem bevorstehenden Hochzeitsfestival berichtete und auch den Namen des Bräutigams erwähnte, verließ der Ruhe suchende Gast das Haus mit unbekanntem Ziel. Er tat wohl recht daran.

"Arndt von Bohlen und Halbach gibt geziemend Nachricht von seiner bevorstehenden Vermählung mit Henriette Prinzessin von Auersperg, Tochter des Alois Prinz von Auersperg und seiner Gemahlin Henriette Prinzessin von Auersperg geb. Gräfin Larisch von Mönnich." Ein Medienereignis, das erst wieder von der Mondlandung der Amerikaner fünf Monate später übertroffen werden sollte.

Auf einer Schiffsreise nach Brasilien hatten sie sich kennengelernt. Arndt als ein von Bohlen und Halbach lediglich Sproß badischen Beamtenadels, neben ihm an der Reling eine richtige Prinzessin aus einem 750 Jahre alten österreichischen Geschlecht. "Keine Frage, ihm gefiel mein Titel, meine Herkunft", erinnert sich Henriette von Bohlen. "Und er beneidete mich um die Größe meiner Familie, um das Verhältnis, das wir untereinander hatten. Arndt selber hatte dies nie erlebt."

Eine Begegnung, aus der sich Freundschaft entwickelte, die von Toleranz geprägt war und von Pragmatismus. Ende 1968, als sie, wieder gemeinsam auf Reisen, einen Abend in Casablanca verbrachten, verglichen sie ihre Lebenspläne. "Ich sagte ihm, daß ich Stewardeß werden wollte." Daraufhin habe Arndt erwidert: "Warum suchst du einen Job? Heirate mich, dann bist du versorgt. Ich suche eine Hausfrau, und du bist ein Mensch, zu dem ich Vertrauen habe."

Im ersten Moment hielt sie das Angebot für einen Witz. "Jeder weiß, daß du homosexuell bist, also was soll das?" Doch sie merkte, daß es ihm ernst war. Henriette von Auersperg schlug ein. Ein Augenblick, den sie im Rückblick als den "Beginn einer Vernunftehe" bezeichnet. Damals wußte sie noch nicht, daß es durchaus Phasen geben sollte, in denen mehr daraus wurde.

Der künftige Ehemann jedenfalls begann, sich mit Leidenschaft den Vorbereitungen eines pompösen Hochzeitsfestes zu widmen, einer Orgie in Weiß und Gold, vor der es seinem Vater gegraut hätte. Zur festlichen Brautsoiree im "Goldenen Hirsch" wünschte er sich eine rege Teilnahme gerade jener, deren Namen er aus seinem geliebten Gotha kannte. Ob Hohenbergs oder Hohenlohes, die Galens oder die Fürstenbergs, wer auch immer von der Eheschließung verwandtschaftlich berührt war, erhielt geziemend Nachricht.