Bonn Die Mordkommandos, die im vergangenen Jahr im ägyptischen Luxor wehrlose Touristen niederschossen und die vor wenigen Wochen in Nairobi und Daressalam Blutbäder anrichteten, sind Folgeerscheinungen des religiösen Fanatismus. Er hat in den vergangenen Jahren in vielen Ländern des islamischen Orients wegen zunehmender sozialer Probleme Anhänger gewonnen. Die Terroristen repräsentieren nicht die Mehrheit der Menschen des Nahen und Mittleren Ostens. Dennoch beeinflussen ihre Aktionen das Bild, das wir uns über die Völker und Kulturen dieser Weltgegenden machen.

Was können wir tun, um das zu ändern? An Gelegenheiten mangelt es nicht, sich über andere Länder und Kulturen zu informieren, alte Vorurteile und neue Klischees zu überwinden. Dennoch gibt es Regionen, die uns fremd bleiben. Das gilt besonders für die islamischen Länder.

Auch dort sitzen Vorurteile und Mißverständnisse über den "Westen" fest. Sie werden vor allem genährt durch westliche Fernsehserien und Filme. Ein ägyptischer Bauer, der die amerikanischen Serien Dallas oder Denver-Clan im Fernsehen sieht, ist felsenfest davon überzeugt, daß in den Vereinigten Staaten keine ehelichen Kinder auf die Welt kommen und die Familien "im Westen" vor allem aus einer Ansammlung von Intriganten bestehen. Mullahs, die gegen diese Sittenlosigkeit zu Feld ziehen, finden leicht Anhänger in einem Umfeld, das von Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus geprägt ist.

Um extremistische Abwehrreaktionen zu vermeiden, müssen wir die Anstrengungen verstärken, das Bild, das wir über uns vermitteln, zu differenzieren. Doch was unternehmen wir, um das Verständnis voneinander zu fördern? Es wird viel über den Dialog der Kulturen geredet. Es kommt aber darauf an, ihn zu gestalten. Dazu ist es notwendig, die Medien einzusetzen, mit denen man am wirksamsten die Menschen erreicht. Deshalb sollten die Europäer einen Fernsehsender einrichten, der in arabischer Sprache über unseren Teil der Welt informiert. Anhand von Nachrichten, Filmen und Dokumentationen sollte die bunte Vielfalt unserer Gesellschaft vorgestellt werden.

Erfahrung auf diesem Gebiet gibt es bereits. Die Deutsche Welle erreicht mit ihren fremdsprachigen Radioprogrammen viele Menschen in aller Welt. Das sollte ergänzt werden durch Fernsehprogramme in fremden Sprachen. Material gibt es zur Genüge. Wer Europa realistisch darstellen will, muß es nur zusammenbringen und ausstrahlen. Das wäre am Ende jedenfalls billiger, als mit den Spannungen umgehen zu müssen, die durch Mißverständnisse zwischen den Kulturen entstehen.

Wilhelm Hofmeister leitet die internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Dritten Welt.