Eine massive Gittertür verrammelt den Eingang. Auch sonst erweckt der etwa fünfzehn Quadratmeter große Raum den Anschein einer Gefängniszelle: kein Fenster, eine Billiglampe an der Decke, ein abgewetztes Sofa, ein niedriger Tisch, ein Regal aus einfachen Brettern - alles wie vom Sperrmüll.

Aber der erste Eindruck trügt. Hier war kein Knacki eingelocht, hier war der Kommandeur eines Nato-Stützpunktes einquartiert. Das Gitter schirmt sein Zimmer im Befehlsbunker vor Besuchern ab, die seit gut einem Jahr Fort Langeland besichtigen können, nachdem es 1993 aufgegeben wurde. Fort Langeland auf der gleichnamigen süddänischen Insel gehörte zu den strategisch wichtigsten des Militärbündnisses.

Vier 150-Millimeter-Kanonen, eine gepanzerte Haubitze, Flakstellungen, jede Menge Stacheldraht, Waffenkammern, Unterstände, Schützenposten - das Museum bedient ausgiebig diejenigen, die ihre unreflektierte Freude am Militär haben. Aber es gestattet auch Einblicke, die man in dieser Ehrlichkeit nicht unbedingt von Militärmuseen gewohnt ist.

Schon ein flüchtiger Rundgang kann so manche verklärte Vorstellung von einer Elitegruppe zurechtrücken. Zwar nicht dem Status, aber den Verhältnissen nach mußten die Soldaten - zumindest diejenigen, die in den Bunkern und Kanonenstellungen Dienst hatten - wie Gefangene leben. Lange Kerls werden sich in den niedrigen Räumen so manche Beule geholt haben, die Mannschaftsräume mit ihren harten Eisenpritschen gleichen eher Verliesen.

Noch mehr erstaunt die Ausstattung des Forts, das eher ein Technikmuseum denn ein Vorposten des Kriegs der Sterne war. Die Wachen hämmerten ihre Berichte in Uralt-Schreibmaschinen und machten Meldung über Gabeltelefone, die jeden Antiquitätenhändler entzücken, der Kommandant suchte Sender an einem Röhrenradio. Und die Waffen? Die Kanonen hatte bereits die deutsche Wehrmacht nach Dänemark gebracht, Hakenkreuz und Reichsadler sind noch immer zu erkennen. Die amerikanischen Flakgeschütze mußten bereits Anfang der achtziger Jahre verschrottet werden.

Seit 1953, als das Fort im Küstenhinterland bei Vognsbjerg auf ein 90-Hektar-Gut gebaut wurde, waren dänische Marinesoldaten hier an einer der wichtigsten Schiffahrtsstraßen postiert, dem Langelandbelt. Diese Meerenge ist das Haupttor zur Ostsee. Erste Aufgabe der Soldaten war es, alle Schiffe genau zu registrieren, die diese Schlüsselstelle passierten - vor allem, wenn sie aus dem Ostblock und da speziell aus den sowjetischen Militärhäfen kamen.

Überall an der Küste saßen Späher, vorzugsweise auf Leuchttürmen, und blätterten kiloschwere Wälzer durch, in denen jeder Schiffstyp aus dem Ostblock beschrieben und eingezeichnet war. Heute gelten diese Schmöker als Standardwerke der Militärhistoriker. Ihre Meldungen liefen im Bunker des Forts zusammen. Akribisch vermerkte die Wache jedes Schiff an einer Tafel und zeichnete seinen Kurs auf einem großen Leuchttisch ein, auf den die Seefahrtskarte des Langelandbelts projiziert war.