Unkundige Geldanleger fragen oft, wann denn der richtige Zeitpunkt ist, um Aktien zu kaufen. Dabei ist der Zeitpunkt des Kaufens gar nicht so wichtig. Entscheidend ist vielmehr, die Aktien zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen. Und wann der gekommen ist, wissen alte Börsenhasen ganz genau. Nämlich dann, wenn das Dienstmädchen sich danach erkundigt, ob es jetzt nicht in Aktien gehen sollte, wo sich doch alle Welt dumm und dämlich damit verdiene.

Diese Frage sagt alles. Wenn selbst das niedere Sparvolk - heute spricht man von Kleinanlegern - in Aktien geht, dann ist es höchste Zeit, das Weite zu suchen. Denn nun wird es gefährlich. Wer weiß schon, wie Dienstmädchen reagieren, wenn die Duma nein sagt oder der Präsident lügt. Zwar sind sie wild auf Supergewinne, aber gleichzeitig sind sie so aufgeregt, daß sie schon beim kleinsten Anlaß verkaufen, um wieder ruhig schlafen zu können. Oder nachkaufen, weil sie das in einem Ratgeber gelesen haben. Oder sonstwas Dummes tun.

In solchen Zeiten ist es besser, nicht mit dabeizusein. Denn nun wechseln die Aktien von sicheren in unsichere Hände, wie die Profis sagen. Wozu das führt, hat sich in diesem Sommer gezeigt. Erst konnten die Banken sich vor Börsenanfängern kaum retten, und dann kam das große Grausen.

Dienstmädchen sind eben unberechenbar. Und Dienstmädchen gibt es überall: unter den Kollegen, im Archiv, im Séparée und am Biertresen. Immer wenn an einem solchen Ort die Frage auftaucht, ob man jetzt nicht in Aktien gehen sollte, weiß jeder echte Börsianer, was zu tun ist: schleunigst verkaufen. Dem Dienstmädchen freilich darf man das nicht sagen. Im Gegenteil: Man muß ihm ganz nachdrücklich zum Kauf raten. Denn schließlich muß ja einer die hohen Kurse bezahlen. Vorübergehend sorgt dies zwar für nochmalige Kurssteigerungen. So wie im Sommer. Aber eine Dienstmädchen-Hausse, wie sie von den Profis genannt wird, ist nur von kurzer Dauer. Danach kommt, was kommen muß. Und dann wandern die Aktien wieder in sichere Hände. Und zwar billig.