Beim Namen Cotta klickt es im Oberstübchen, und Klassikernamen purzeln heraus. Die von Goethe und Schiller zumal, aber auch manch andere. Doch Johann Friedrich Cotta (1764 bis 1832), an den man in diesem Zusammenhang vor allem zu denken hat, war mehr als der Verleger großer Literatur, er war auch Herr eines Presseunternehmens.

Unter den Blättern, die er gründete, hat wiederum die Allgemeine Zeitung besondere Bedeutung. Ihrer Geschichte hat sich Günter Müchler unter dem Titel Wie ein treuer Spiegel angenommen. Bedeutung hat die Geschichte dieses Blattes aus mehreren Gründen. Zum einen wurde es 1798 in ein Leben gerufen, das es auf rund hundert erkleckliche Jahre brachte. Zum anderen läßt sich der wechselvolle Lauf des 19. Jahrhunderts an Cottas dem Tage verpflichteten Journal zwar nicht gerade wie in einem Spiegel, aber doch in seinen Höhen und Tiefen ablesen, mit dem Revolutionsjahr 1848 im Zentrum.

Der mehrfache Wechsel des Erscheinungsortes der Allgemeinen Zeitung weist auf ein Problem hin, das die Pressegeschichte des 19. Jahrhunderts durchzieht: die immer wieder durch Zensur angefochtene Preßfreiheit. Der jüngere Cotta trat übrigens auf dem Wiener Kongreß wacker für die Freiheit des Wortes ein; der älter Gewordene freilich sah dann auch Gefahren ihres Mißbrauchs. Hübsch zu lesen ist bei Müchler, wie Cottas Mitarbeiter, allen voran Ludwig Börne und Heinrich Heine, sich der Zensur zu erwehren wußten.

Heute stellen sich die Probleme der Meinungsfreiheit allerdings subtiler, sozusagen verinnerlichter dar. Darüber hinaus können die Maßstäbe, nach denen im 19. Jahrhundert ein Blatt wie die Allgemeine Zeitung gemacht wurde, kaum für die Medien genannten Erzeugnisse an der Wende zum 21. Jahrhundert angelegt werden.

Günter Müchler: Wie ein treuer Spiegel

Die Geschichte der Cotta'schen Allgemeinen Zeitung; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998; 233 S., 49,80 DM