Am Ende steht wieder das Provisorium, wie seinerzeit, als Bonn noch nicht Hauptstadt sein durfte, sondern nur etwas Vorläufiges. Die Neuen, die mit dem Machtwechsel in die "Bundesstadt" kommen, planen bereits für Berlin. Von ihnen wird hier keiner mehr seßhaft werden. Auch Schröder nicht und seine engsten Gefährten.

Zum Beispiel Frank-Walter Steinmeier, zur Zeit noch Leiter der Staatskanzlei in Hannover, und Uwe-Karsten Heye, der Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. Steinmeier wird Staatssekretär im Kanzleramt und Heye Chef des Bundespresseamts. Das braucht und schafft Nähe. Zumindest für die Monate bis zum Umzug werden sie davon genügend bekommen: Die beiden werden mit Schröder eine Wohngemeinschaft gründen - im Kanzlerbungalow, gleichsam die oberste WG der Republik.

Anders als die viel beschriebene Dresdener Haus- und Müsligemeinschaft der Biedenkopfs wird allerdings die Hausfrau und -herrin fehlen: Doris Schröder-Köpf will ihrer Tochter Klara den Umzug für wenige Monate nicht zumuten, weshalb der gemeinsame Hausstand der Schröders erst in Berlin wieder alltäglich wird. Die vierte im Hannoveraner Kleeblatt, Schröders Büroleiterin Sigrid Krampitz, wird im Kanzleramt dabeisein, nicht aber im Bungalow. Sie will nicht noch zusätzlich häusliche Verantwortung für die regierenden Jungs übernehmen.

Die beiden Staatssekretäre gehören schon länger zum Schröder-Team: der Journalist Heye seit 1990, der Jurist Steinmeier seit 1991. Heye stieg seinerzeit, vom ZDF (Kennzeichen D) kommend, gleich als Sprecher der neuen Landesregierung ein; mit Schröder war er seit der gemeinsamen Zeit bei den Jusos bekannt. Steinmeier kam - nach der Promotion in Gießen - auf Grund einer normalen Bewerbung in die Staatskanzlei. Zunächst arbeitete er im Bereich Medienpolitik und Medienrecht. Bereits zwei Jahre später leitete er schon Schröders Büro; seit 1996 ist er Chef des ganzen Hauses.

Uwe Heye, Jahrgang 1940, geboren in Reichenberg im Sudentenland, aufgewachsen in Mainz, kennt Bonn wie seine Westentasche, in- und auswendig. Als junger Reporter bei der Nachrichtenagentur UPI berichtete er über Ludwig Erhards Wahlkampagne 1965; von 1968 an war er bei der Süddeutschen Zeitung in Bonn. 1974 wechselte Heye die Seiten und war bis 1980 Sprecher bei SPD-Chef Willy Brandt. Danach fünf Jahre als freier Autor, darauf der Wechsel zum ZDF.

Steinmeier (Jahrgang 1956) ist der jüngste in der Arbeits- und Wohngemeinschaft: Er kam in Brakelsieg im ostwestfälischen Lippe zur Welt, nur wenige Kilometer von Mossenberg entfernt, wo Schröder (Jahrgang 1944) heranwuchs. Da gab es jedoch keine Begegnung mit dem Älteren, der fortan die Republik regiert.

Die Grünen sind Heye wie Steinmeier wohlbekannt. An die Koalition in Hannover haben sie, gemeinsam mit dem Chef, gute Erinnerungen, sogar an Jürgen Trittin, den Unberechenbaren. Und was sich damals bewährt hat, will man auch jetzt pflegen: abendliche Gesprächsrunden der Koalitionspartner beim Regierungschef, ohne Tagesordnung und Rollenzwänge, möglichst privat und ebenso politisch. Demnächst also im Bungalow.