Ihre Produkte sind überall dort gefragt, wo es um ein Vakuum geht. Fast könnte man meinen, Katharina Koterewa habe im Wahlkampf die großen Parteien beliefert. Lachend sagt sie: "Ich mußte in der Zeit sehr viel arbeiten." Am Wahlabend hat sie sich dann doch Zeit genommen, um die spannende Entwicklung zu verfolgen. In dem Regierungswechsel sieht die ostdeutsche Unternehmerin eine riesige Chance, nun das zu tun, was nach der Wende versäumt wurde: "Die Menschen endlich zusammenzubringen, anstatt sie auseinanderzudividieren." Vor allem müßten verkrustete Strukturen aufgebrochen werden. Katharina Koterewa klingt durch und durch optimistisch.

Sie kann sich und ihren kleinen Betrieb, die Zwek-Vakuumtechnik im thüringischen Apolda, zu den Gewinnern der Einheit zählen. Und der Regierung Kohl ist sie durchaus dankbar. Schließlich halfen ihr stattliche Fördergelder auf die Beine. Aber vieles, sagt sie, sei in der Politik eben auch schiefgelaufen. Und das müsse jetzt in Angriff genommen werden: "Mich freut, daß ein anderer Wind weht."

In ihrem "Weiberladen" arbeiten mittlerweile 14 Menschen. Im vergangenen Jahr waren es erst 6; die schafften 1,2 Millionen Mark Umsatz. Frau beziehungsweise man spricht Russisch, Italienisch, Englisch und Bulgarisch. Und zu den Kunden zählen Glasbläser ebenso wie große Anlagen- und Maschinenbauer.

Studiert hat Katharina Koterewa in Moskau: Turbinenbau. Selbständig machte sie sich kurz nach der Wende. Und das auch nur deshalb, weil ihr damaliger Chef davon überzeugt war, daß die "Wessis alles besser können". Auf ihre Weise bewies sie das Gegenteil.

Von den Grünen scheint sie nicht ganz so begeistert. "Wissen Sie, wo keine Industrie ist, da gibt es auch keine Umweltzerstörung." Gleichwohl setzt sie auf Rot-Grün. Denn bei einer Großen Koalition gebe es zu viele Kompromisse.

Ihre Wunschliste an die neue Regierung ist lang: Zunächst müsse den Verwaltungen ein Kurs in Lean Management verordnet werden. Sie ärgert sich nämlich maßlos über unnötige Bürokratie. Fast ebenso wichtig findet sie es, aus den "Glaspalästen der Versicherungen Jugendclubs zu machen". In der Außenpolitik wünscht sie sich Kontinuität. Der Euro müsse durchgezogen, die Sozialsysteme müßten erhalten und ausgebaut werden, "aber nicht zu Lasten der kleinen Unternehmer". Die, so weiß sie aus Erfahrung, beuten sich selbst schon genug aus. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit müßten neue, intelligente Konzepte her. Eine phantasielose Subventionierung allein bringe langfristig nichts. Und mit viel Nachdruck sagt die agile Unternehmerin, daß künftig auch ein bißchen mehr menschliche Wärme im Lande einkehren müsse. Der Leistung sei das ganz und gar nicht abträglich.