Kunst der Natur, Spiel des LebensSeite 2/2
Mitunter gerät der Band zu deutlich ins Fahrwasser der Evolutionsideologie: Wenn die rechnerische Illusion von Leben wiederholt mit dem natürlichen Leben gleichgesetzt wird, erweist die Begeisterung für die neue Technik der nüchternen Scheidung der Begriffe einen Bärendienst. Zudem fehlen kritische Stimmen, die etwa die neue Abhängigkeit der Künstler von Sponsoren thematisierten - von Telekommunikationskonzernen und der Computerindustrie. Entscheidende Fragen, die aus dem osmotischen Verhältnis von Kunst und Technik erwachsen, werden ausgelassen: Was bedeutet es etwa für das Werk als Erinnerungsspeicher, wenn sich sein Material wandelt, welche Konsequenzen erfahren die Betrachter, wenn ihre Sinne durch Interaktion und "körperintime Interfaces" mit dem Datenwerk psychologisch entgrenzt werden, ihre kritische Distanz mithin bedrängt wird, und was heißt es für den Künstler, die Kontrolle über sein Werk letztlich aufzugeben? Obgleich mit Machiko Kusahara und Erkki Huhtamo zwei prominente Vertreter der Medienarchäologie das Wort erhalten, wird deutlich, daß Kunst und Naturwissenschaften bislang kaum Methoden entwickeln konnten, um Fragen dieser Art nachzugehen. Diese Lücke zu schließen bleibt der Kunstgeschichte vorbehalten, die als klassische Bildwissenschaft aufgerufen ist, ihre Methoden und ihr historisches Vergleichsmaterial in diese Diskussion deutlicher als bisher einzubringen.
Christa Sommerer und Laurent Mignonneau (Hrsg.): Art @ Science
Springer Verlag, Wien/New York 1998; 330 S., 68,- DM
- Datum 01.10.1998 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/1998
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