Über fünfzig Jahre mußte Kurt Weills Ballettmusik Die sieben Todsünden auf die richtige Besetzung für den Gesangspart der Hauptperson warten, nun ist sie da: Marianne Faithfull.

Für die 51jährige britische Rocksängerin scheint der Komponist die Songs zusammen mit Brecht 1933 im Pariser Exil geschrieben zu haben. Eine Stimme, die alle Tragik und Widersprüche der menschlichen Existenz verkörpert: gebrochene Gefühle, naives Staunen, kurze Momente des Glücks. Eine Stimme, die sowohl vom Ruhm des Rockstars kündet (As Tears Go By/1967, Broken English/1979) als auch vom Sturz in das Dunkel harter Drogen.

Eine unverwechselbare, charaktervolle Stimme mit einem inzwischen etwas müden, doch immer noch renitenten Unterton - die perfekte "Seeräuber-Jenny" aus der Dreigroschenoper auf englisch: "And a ship, its sails shining, fiftyfive cannons wide, Sir, waits there at the quai ..."

Marianne Faithfulls Vorstellung vom modernen Blues schließt das international erfolgreiche deutsche Popduo Brecht/Weill mit ein. Seit Anfang der Neunziger gehören Titel der beiden zu ihrem Bühnenrepertoire. Drei davon nahm sie 1996 auf ihr Album 20th Century Blues Tracks.

Auf The Seven Deadly Sins, live eingespielt mit vier männlichen Solisten und dem Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung von Dennis Russell Davies, singt sie nun ausschließlich Weill. (Außer der Ballettmusik enthält die CD noch vier Lieder, so Pirate Jenny.) Mit demselben Programm trat sie vor kurzem als erster Popstar bei den Salzburger Festspielen auf.

In der wirbelnden, dynamischen, abwechslungsreichen Musik der Sieben Todsünden kombiniert Kurt Weill populäre Tanzrhythmen seiner Zeit - jeder der Songs zitiert einen bestimmten Stil wie Walzer, Foxtrott oder Shimmy - mit romantischer Symphonik.

Brechts antikapitalistischer Text beschreibt die Odyssee des Tanzmädchens Anna durch sieben amerikanische Städte. Sie muß mit ihren menschlichen Schwächen und der Moral kämpfen, um genügend Geld für das langersehnte Häuschen ihrer Familie in Louisiana zu verdienen.