Unser Mallorca gehört - entgegen anderen vorlauten Meldungen - noch immer den Spaniern. Die bekommen zwar zur Hochsaison zunehmend Verständigungsprobleme. Aber solange es auf der Insel an urdeutschen Urlaubstraditionen wie Strandkörben oder Kassenhäuschen zur Eintreibung der Kurtaxe fehlt, bleiben alle Ambitionen auf ein siebzehntes Bundesland mitten im Mittelmeer Utopie. Da hilft es auch nichts, wenn der Vertreter Mallorcas im Parlament von Madrid den Deutschen das Kompliment macht, sie würden das Kulturerbe der Insel besser pflegen als die Einheimischen. Wo sonst auf der Welt sind romantische Bergdörfer derart geschmackvoll und überreichlich mit Swimmingpools ausgerüstet? Und weil die Bauern rund um den Flughafen von Palma ihre ehemals hübschen Windmühlen verrotten lassen, rückte eine deutsche Ferienfluggesellschaft mit Farbeimern an. Daß sich zwei der alten Mühlen jetzt rundum im Corporate Design von Hapag Lloyd präsentieren, unterstreicht die kulturelle Einfühlsamkeit der eingeflogenen Denkmalschützer.

Mallorca braucht Deutschland, und Deutschland braucht Mallorca, das ist so sicher wie das Prost im Ballermann. Wer etwas anderes behauptet, wird von der Allianz aus Bild-Zeitung und Tourismusbranche abgestraft. Vor Monaten passierte das den Grünen nach ihrer Schnapsidee, die Pauschalfliegerei einzuschränken. Jetzt traf es sogar die Christdemokraten: Die Tourismuspolitiker von CDU und CSU beabsichtigen nämlich, in der neuen Legislaturperiode zehn Prozent der deutschen Auslandsreisenden für "Urlaub und Reisen in Deutschland zurückzugewinnen".

Hinter der drastischen Formulierung wittert die Lobby der Urlaubskonzerne und Reiseagenturen offenbar Pläne für flächendeckende Ausreiseverbote, die Aushebelung des Schengener Abkommens und die Umwandlung von Flughäfen in Naherholungsgebiete. Aufs äußerste erbost, erklärte der Chef des Deutschen Reisebüro-Verbandes Auslandsreisen prompt zu einer "sozialen Errungenschaft". Recht hat der Mann, denn wer harrt auch noch im Urlaub freiwillig in einem Land aus, dessen verheerende Wetterverhältnisse selbst im Sommer fast den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen? Artikel zwei des Grundgesetzes sichert aber allen Bürgern das "Recht auf körperliche Unversehrtheit" zu. Unser Eskapismus Richtung Süden ist mithin nicht nur ein in Jahrzehnten erworbener Besitzstand, er wird sogar von der Verfassung gedeckt. Einigkeit und Recht und Reisefreiheit!