Es war die blinde Gier, welche die Dresdner Bank und andere vermeintlich smarte Profis zu einem Engagement bei Long Term Capital Management (LTCM) trieb. Schließlich hatte die Anlagegesellschaft in den vergangenen Jahren mit Gewinnen von bis zu 40 Prozent geglänzt, per anno, versteht sich. Daß solch hohe Renditen mit gewaltigen Risiken verbunden sind, scheinen die Beteiligten vergessen zu haben.

Dabei handelt es sich bei der Anlagepolitik der Hedge-Fonds um Spekulation pur. Der erste Fonds dieser Art war vor rund 50 Jahren in Amerika aufgelegt worden. Ihre Bezeichnung erhielten sie, weil ein Teil des Vermögens durch gegenläufige Geschäfte vor einem Wertverlust abgesichert (englisch: hedged) war. Dem Kauf eines Wertpapieres stand also der gleichzeitige Verkauf per Termin gegenüber.

Die modernen Hedge-Fonds haben mit dieser Idee kaum noch etwas gemein. Sie sind vielmehr Instrumente gigantischer Wetten geworden. Die Manager der Macro-Hedge-Fonds setzen auf die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Staaten: Wenn sie der Meinung sind, daß der Devisenkurs eines Landes zu hoch ist und eine Abwertung droht, verkaufen sie diese Währung "short", also ohne sie überhaupt zu besitzen, zu einem Preis, der über demjenigen liegt, den sie letztendlich erwarten. Fällt der Kurs tatsächlich, winken riesige Gewinne, wie George Soros vor sechs Jahren mit seiner Milliarden-Dollar-Wette gegen das britische Pfund zeigte.

Anders als die Macro-Fonds versuchte LTCM, scheinbar anomale Preisunterschiede zwischen verschiedenen Wertpapiergattungen auf verschiedenen Märkten auszunutzen. Beide Fondsgruppen setzen in hohem Maße komplexe Finanzprodukte, sogenannte Derivate, und Kredite ein. Damit können sie bei einem relativ kleinen Kapitaleinsatz ein Vielfaches an Volumen bewegen.

Hedge-Fonds sind private Gesellschaften mit höchstens 99 Anteilseignern. Damit fallen sie nicht unter die amerikanische Aufsicht. Wer sich beteiligt, muß üblicherweise mindestens eine Million Dollar einschießen. Die Manager tragen nur dann einen Verlust, wenn sie an dem Fonds selbst beteiligt sind.

An den Hedge-Fonds scheiden sich die Geister. Viele betrachten sie als Auslöser destabilisierender Spekulationswellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte dies bis zuletzt noch bestritten. Soros wiederum macht das Herdenverhalten normaler Investmentfonds und Banken für Finanzmarktkrisen verantwortlich - was nicht ganz falsch ist. Schließlich finanzieren Banken die Hedge-Fonds. Der Konstanzer Wirtschaftsprofessor Günter Franke schlägt deshalb vor, die Bankenaufsicht möge dem Geldgewerbe klarmachen, daß sie die Kreditvergabe an Hedge-Fonds nicht gutheißt.

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