Keine Angst vor einer rotgrünen Regierung hat Simon Moroney, der Vorstandsvorsitzende der Morphosys AG. Dabei arbeitet er in einem Bereich, in dem Grüne schon mal rotsehen. Morphosys gehört mit fünf Millionen Mark Umsatz und 54 Mitarbeitern (1997) zu den kleinen, aber aufstrebenden Biotech-Unternehmen im Lande. Und demnächst geht's an die Börse. Entwickelt werden Verfahren zur Entdeckung neuer Arzneimittel, die nicht nur erheblich schneller, sondern auch sicherer sein sollen als herkömmliche Methoden.

"Das Wahlergebnis war wirklich eine Überraschung", sagt Simon Moroney. Aber er fürchtet für sich und sein Unternehmen "nichts Negatives". Man müsse jetzt einfach abwarten, welche Rolle die neue Regierung den kleineren Unternehmen zumesse.

Moroney ist davon überzeugt, daß es keine Wende zum Schlechten geben wird. Denn sowohl die Sozialdemokraten als auch die Grünen haben seiner Meinung nach erkannt, daß nicht nur die großen Industrien und Konzerne wichtig für die Arbeitsplätze hierzulande sind. Er kann sich auch nicht vorstellen, daß Unternehmen wie Morphosys wegen ihrer zum Teil noch umstrittenen Technologien künftig strenger reglementiert werden. Selbst die Grünen hätten nichts gegen Biotech im Arzneimittelbereich. Deren Kritik und Skepsis richte sich hauptsächlich gegen Gentechnologie in der Landwirtschaft. "Das betrifft uns nicht."

Insgesamt sei die deutsche Biotechnologie in den vergangenen Jahren enorm vorangekommen. Nur eine Sache ist ihm ganz besonders wichtig: Er wünscht sich bessere Möglichkeiten, seine Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens beteiligen zu können. Das sei noch problematisch in Deutschland.

Generell hofft er, daß die neue Regierung die Rahmenbedingungen für Existenzgründer noch verbessert. Es bringe nichts, riesige, etablierte Firmen mit viel Geld umzustrukturieren. Deutschland solle sich lieber auf seine Vorteile konzentrieren, zum Beispiel auf das Ausbildungssystem. Und: Die wissensbasierten Industrien seien wichtig, wie eben die Biotechnologie, aber auch Informationstechnik und Telekommunikation.

Schließlich äußert der gebürtige Neuseeländer, der sich im Gründerzentrum Martinsried bei München mit seinem Unternehmen niedergelassen hat, noch einen ganz persönlichen Wunsch: Er wohne in Deutschland, zahle hier Steuern und habe Arbeitsplätze geschaffen. Aber wählen dürfe er nicht. "Das finde ich nicht gut", sagt er und denkt dabei wohl schon an die nächsten Wahlen.