Immer wieder zeichnet Ihre Zeitung in den letzten Monaten das Bild vom "gemeinen Ostdeutschen": Er ist etwas schlicht, leicht zu manipulieren. Ordnung, Fleiß und Sauberkeit sind sein Leben. Durch die vierzig Jahre DDR ist er auf eine vorneuzeitliche Stufe zurückgeworfen worden. Toleranz und Demokratieverständnis gehen ihm völlig ab. Und wie war das doch mit der einzigen friedlichen Revolution auf deutschem Boden im Jahre 1989? Stand nicht sogar in der DDR-Presse: Provokateure aus dem Westen ...!!! Vielleicht sollten Sie den gesamten Osten Deutschlands unter der Rubrik: "Was wir einmal vermissen werden" mit den Skatern (ZEITmagazin Nr. 31) in die Gummizellen stecken.

Eventuell verlieren durch solche Meinungsmache nicht nur die großen und demokratischen Volksparteien im Osten an Akzeptanz, sondern auch die großen liberalen Tageszeitungen und Wochenblätter.

Silke Martin-Erlautzki Teltow

Ich habe 26 Jahre in Hamburg gelebt und bin 1995 nach Halle/Saale gezogen. In Hamburg war das Gefühl der persönlichen Bedrohung durch Rechtsextremismus wesentlich höher als hier in Halle. Bitte, erinnern Sie sich, in welcher Stadt Michael Kühnen und Christian Worch agiert haben. Namen wie Filbinger, Maunz und Schönhuber brauche ich wohl nur zu erwähnen. Eine Erläuterung der Einflußnahme dieser Männer auf die westdeusche Gesellschaft erübrigt sich meines Erachtens.

Ich habe in Halle/Saale bisher noch nie solch heftige Diskussion über Ausländerfeindlichkeit, Nationalstolz, Intoleranz führen müssen wie in den Jahren nach 1990 in Hamburg. Dort ist der Rechtsextremismus gemäß meinen Erfahrungen in der Alltagskultur, insbesondere auch im Mittelstand, wesentlich weiter verbreitet als hier. Erlauben Sie mir den kurzen Hinweis, daß es während meiner Jugendzeit zu Beginn der achtziger Jahre bereits einen latenten und manifesten Rechtsextremismus unter den Jugendlichen gab.

Olaf Rieck, Halle/Saale

Wer über die "Zeitgenossen jenseits der Elbe" berichtet, hat wohl nur den Leser diesseits im Kopf. Nicht verwunderlich, daß sich die jenseits eben als nicht vollwertig, nicht in der Bundesrepublik angekommen betrachten. Harpprecht beklagt's und merkt nichts. In der DDR aufgewachsen, lese ich die ZEIT, seitdem es geht. Ich wünsche der ZEIT, daß sie die Bundesrepublik in ihrer Gänze wahrnehmen kann, einzelne hervorragende Artikel von Christoph Dieckmann sind zuwenig.