Weil sich die Terminfestsetzung von Treffen der Siebenergruppe der größten Industriestaaten (G-7) leider nicht nach dem Zeitpunkt nationaler Wahlen richten kann, kommt es am kommenden Wochenende zu einer denkwürdigen Situation: Die G-7 trifft sich im Vorfeld der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, die Bundesrepublik wird aber politisch nicht vertreten sein. Bundesfinanzminister Theo Waigel hatte die Reise zwar fest eingeplant, sagte nun aber aus begreiflichen Gründen seine Teilnahme ab. Er wird nur noch wenige Wochen im Amt sein. Da er, was die internationale Zusammenarbeit betrifft, andere Positionen als sein voraussichtlicher Nachfolger Oskar Lafontaine vertritt, könnte er wohl kaum in die Debatte über die weltweite Finanzkrise eingreifen, ohne in eine peinliche Lage zu geraten.

Da der Posten des Staatssekretärs für internationale Fragen seit Anfang September vakant ist - Jürgen Stark wechselte in das Direktorium der Bundesbank und wurde nicht ersetzt -, wird in Washington der zuständige Abteilungsleiter im Finanzministerium, Klaus Regling, die Stellung halten. Regling ist ein versierter Fachmann mit langjähriger internationaler Erfahrung, auch im Internationalen Währungsfonds. Gleichwohl kann er selbstverständlich nicht für eine Bundesregierung sprechen, die noch gar nicht im Amt ist.

Deshalb wird wohl Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer allein die Diskussion bestreiten, wenn es um sensible währungspolitische Fragen wie die Forderung nach einer neuen Weltwährungsordnung geht. Notenbank und Regierung in Personalunion zu vertreten wird ihm als langjährigem Sherpa für die Vorbereitung der Weltwirtschaftsgipfel nicht schwerfallen. Die Partner in der Siebenergruppe werden sich aber noch eine Weile gedulden müssen, bis sie den Standpunkt der neuen Regierung kennenlernen.

Abstieg Zu den bemerkenswertesten Aspekten dieser Bundestagswahl zählt das Abschneiden von Regierungssprecher Otto Hauser (CDU). Der Mann, den Bundeskanzler Helmut Kohl wenige Monate vor der Wahl ins Amt hievte, nachdem er Peter Hausmann (CSU) zum Sündenbock für das schlechte Image der Bundesregierung gemacht hatte, verscherzte sich schnell mit arroganten Äußerungen über die Ostdeutschen sämtliche Sympathien. In der Arbeit fiel es ihm schwer, die Tätigkeit des Regierungssprechers von dem eines Parteisprechers zu trennen, was zu Spannungen mit der Bundespressekonferenz führte.

Durch die CDU-Niederlage bei der Wahl verliert Hauser nicht nur seinen Job als Regierungssprachrohr. Er kehrt auch nicht in den Bundestag zurück. Hauser verlor seinen als absolut sicher geltenden Wahlkreis Esslingen an den SPD-Wirtschaftspolitiker Siegmar Mosdorf. Der konnte sein Ergebnis gegenüber 1994 um mehr als acht Prozentpunkte verbessern. Mit insgesamt fünfzehn Punkten dürfte der Stimmen-Swing zwischen CDU und SPD in Mosdorfs Wahlkreis einer der größten sein. Der populäre Sozialdemokrat konnte auch Erststimmen von Grünen- und FDP-Wählern auf sich vereinen. Hauser hatte sich so sicher gefühlt, daß er auf eine Absicherung über die Landesliste verzichtete.