Erst Karin Dietl-Wichmann, dann Hellmuth Karasek, nun sie. In diesem Bücherherbst haben Journalisten die Fiktion für sich entdeckt. Beate Wedekind hat einen Roman verfaßt, Um jeden Preis. Angekündigt war er schon länger. Man durfte gespannt sein. Hatte nicht die frühere Talkmasterin und Chefredakteurin, Ex-Ambiente, Ex-Elle, Ex-Bunte und Ex-Gala, jahrelang intimen Einblick in die Welt der posh people, der Reichen, Schönen und Verwöhnten? War sie nicht mit Welt und Halbwelt auf vertrautem Fuß?

Das rote Adreßbüchlein, wir erinnern uns. Es war Beate Wedekinds wichtigstes Instrument auf dem Weg nach oben. Wer in ist, ist drin - der Wahlspruch der Bunten galt zunächst einmal für dieses Buch. Welche knapp verfremdeten Jet-set-Nasen würden wir treffen in der Story über die Society-Reporterin Alexa Schwarz?

Springen wir rasch hinein in diese "Retrospektive auf die glorreichen Jahre der High-Society, zugleich eine vergnügliche und spannende Betrachtung der heutigen Mediengesellschaft", wie der Ullstein Verlag meldet.

"Das Verhältnis zwischen Maya und David nahm nach dem denkwürdigen Abendessen in Allans Haus eine verblüffende Wendung ..." Nun ja. Vielleicht fein beobachtet, aber doch nicht wirklich dynamisch zu nennen. So geht es weiter - viel Melodram, wenig Tragik.

Ganz am Schluß aber, da holt das Buch auf. Da gewinnt es eine verblüffende Authentizität, Realität, Phantasie. Da kann der Leser sie spüren, die Nähe zur Macht. Auf Seite 397 ff. heißt es: "Ausdrücklich möchte ich mich bei folgenden Persönlichkeiten und Institutionen bedanken, die mir im Laufe meiner journalistischen Laufbahn begegnet sind und die meine Sicht der Dinge beeinflußt haben: Begum Inaara und Karim Aga Khan, Gianni Agnelli, Emad ,Dodi' al-Fayed, Mohammed al-Fayed, Giorgio Armani, Bernard Arnault, Nadja Auermann, Richard Avedon ... Caroline Bessette-Kennedy, BILD ... undsoweiter undsofort ... Fred Kogel, Eva Kohlrusch, Evelyn Lauder, Liz Mohn, Rainier Fürst von Monaco ... Nina Ruge, Gunter Sachs, Jil Sander, Claudia Schiffer ... undsoweiter undsofort ... Wolf Wondratschek, Dr. Mark Wössner, Lynn Wyatt, Sibylle Zehle, Gottfried Zmeck."

163 Namen. 161 Vorbilder und zwei Friseure (Gerhard Meir und Udo Walz), die die Welt der Beate Wedekind verändert haben. Vom Schönheitschirurgen Ivo Pitanguy bis zur schönen Prinzessin Diana, vom rechten Franz Josef Strauß bis zur linken taz, vom Rockmusiker Mick Jagger bis zum Ledermodehaus Hermès - sie alle, so begreifen wir plötzlich, haben dieses Buch insgeheim mitgeschrieben.

"Ich liebe dich", flüsterte sie atemlos. "Kannst du das noch einmal wiederholen?" sagte er leise und streichelte über ihre geschlossenen Augen.