Kein Niederländer in Amt und Würden, der in den vergangenen Jahren nicht deutsche Besucherdelegationen empfangen durfte. Thema: das erfolgreiche "Poldermodell". Und alle kennen längst "diesen Unglauben in den Gesichtern" der Gäste, sobald vom Umbau des holländischen Sozialstaats die Rede ist. Wie durchbricht man den Reformstau? Hier fünf ganz und gar undeutsche Tips für ein Bonner "Bündnis für Arbeit", vertraulich zwischen Maas und Meer zusammengetragen aus Gesprächen mit Ministern und Technokraten, Gewerkschaftern und Arbeitgebern:

Redet heimlich!: Vor offiziellen Verhandlungen sollten sich Kanzler, Arbeitgeberpräsident und DGB-Chef jeweils geheim, völlig informell und in kleinstem Kreis treffen: "Laß den anderen in deine Karten schauen." Und: "Verrate nie, was du dabei gesehen hast." Schon gar nicht der Presse.

Fangt langsam an!: Den großen Kompromiß, der auf einen Schlag alle Probleme löst, gibt es nicht. Erst muß Vertrauen wachsen. Also: "Beschränkt euch auf wenige Themen, sonst überhebt ihr euch." Mit einem Dreiecksgeschäft wäre schon viel gewonnen: Lohnverzicht (DGB) im Tausch gegen mehr Teilzeitarbeit (BDA/BDI) und Steuersenkungen für Arbeitnehmer (Regierung). Dann geht's mit Geduld weiter, ohne perfekten Plan.

Juristen raus!: An den Tisch gehören Politiker und Ökonomen, "Juristen müssen draußen bleiben". Die dürfen später allenfalls die Details aushandeln. "Schreibt nicht Bücher mit langen Fußnoten", sondern "vereinbart nur Ziele und Absichten". Verbindliche Verträge samt Kommastellen für die gesamte Republik - etwa: so viele Jahre Lohnstopp für soundso viele garantierte Jobs - seien "unmöglich". Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Baut gemeinsame Dächer!: Regierung, DGB und Arbeitgeberverbände müssen neue Gremien als "Orte regelmäßiger Begegnung" gründen. Ein von allen drei Seiten getragenes und respektiertes Forschungsinstitut könnte gar Daten und Analysen als Verhandlungsgrundlage liefern, "damit ihr nicht länger über die Fakten, sondern endlich um Lösungen streitet". Eine mögliche Keimzelle wäre das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit.

Gewinnen, nicht besiegen!: Deutschland erscheint vielen Holländern als "Land der mächtig-machtlosen Rhetorik". Deshalb der Rat: "Beendet die lauten Monologe, riskiert den leisen Dialog." Ziel jeden Kompromisses müsse "der Gewinn für alle" sein, "nicht der Verlust des anderen". Wer sich nicht in die Lage seines Verhandlungspartners versetze, so die Erfahrung nach fast 16 langen Jahren auf "dem holländischen Weg", müsse scheitern: "Bei euch treffen sich immer Funktionäre. Bei uns sind es Menschen."