die zeit: Herr Röscheisen, freuen Sie sich als Generalsekretär des Deutschen Naturschutzringes (DNR) schon auf einen grünen Umweltminister in der neuen Bundesregierung?

Helmut Röscheisen: Wir halten als Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände eine andere Lösung eigentlich für günstiger - eine Lösung, die so aussieht, daß die Grünen eines der Eingriffsministerien besetzen, also etwa das Verkehrs- oder das Landwirtschaftsministerium. Die Politik dieser Ressorts hat erhebliche ökologische Auswirkungen. Die Grünen können deshalb dort viel mehr für ökologische Anliegen bewirken als im Umweltministerium.

zeit: Das Umweltministerium selbst ist Ihnen gar nicht so wichtig?

Röscheisen: Es ist doch so, daß die Grünen im Urteil der Bevölkerung ohnehin die größte ökologische Kompetenz haben. Sie müssen sich also nicht noch einmal beweisen, indem sie das Umweltministerium besetzen. Demgegenüber ist es sehr viel reizvoller, im Verkehrs- oder im Landwirtschaftsministerium tätig zu werden, weil dort viel mehr für die Umwelt getan werden kann als im Umweltministerium.

zeit: Braucht die neue Regierung überhaupt noch einen Umweltminister?

Röscheisen: Ja. Die Integration des Umweltschutzes in alle Politikbereiche ist zwar die zentrale Aufgabe. Aber um Schlimmes zu vermeiden, muß das Umweltministerium sogar aufgewertet werden. Wir fordern deshalb für den Umweltminister ein Vetorecht im Kabinett, so wie es der Finanzminister heute schon hat.

zeit: Was sind die wichtigsten ökologischen Herausforderungen der neuen Regierung?