Es wird einem nichts geschenkt. Diese desillusionierende Binsenweisheit ist jedem skeptischen Konsumenten geläufig. Doch es scheint immer noch genug Leute zu geben, die gern bereit sind, das Gegenteil glauben. Auf diesem Boden gedeiht eine Geschäftsidee, die nicht nur Verbraucherschützer für windig und unlauter halten: das Verkaufen von Urlaubsreisen mit einem Gewinn als Lockmittel.

Die Masche ist immer gleich: Eine Massenwurfsendung erklärt jeden Empfänger zum "Hauptgewinner" eines Urlaubs in Spanien, der Türkei oder am Gardasee. Doch das Geschenk, dem weder Preisausschreiben noch Verlosung vorausging, entpuppt sich meistens als Mogelpackung: Kostenlos gibt es nämlich nur ein halbes Doppelzimmer, oft ohne Frühstück. Alle anderen Leistungen - Flug, Verpflegung und entweder die andere Hälfte des Doppelzimmers oder den Einzelzimmerzuschlag - muß man überteuert dazukaufen.

"Am besten wirft man diese Wurfsendungen in den Papierkorb", rät der Rechtsexperte des Deutschen Reisebüro-Verbandes (DRV), Peter Hamburger. "Zumindest sollte man zum Vergleich in den Katalog eines Reiseveranstalters schauen." Das ist häufig insgesamt billiger, und man kann Hotel, Ort und den Reisetermin auch selbst auswählen.

Die Masche hat System: "Geschenkt" gibt es bei diesen dubiosen Urlaubsfirmen nur ein Bett, das in der Kalkulation einer einwöchigen Flugpauschalreise allenfalls 10 bis 15 Prozent der Kosten verursacht. Wer den Rabatt in Anspruch nimmt, zahlt aber nicht nur bei den Nebenkosten kräftig drauf. Am Zielort werden ihm nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale auch noch teure Ausflüge oder ausführliche Basarbesuche aufgedrängt.

Die saarländische Verbraucherzentrale warnt darum vor Geschäften, die unter der Vorspiegelung eines "Reisegewinns" angebahnt werden: "Die meisten Gewinne sind einfach nur schlechte Geschäfte, bei denen die 'Gewinner' die Zeche zahlen." Hinzu kommt, daß manche Firmen ihre Reisegutscheine nur auf Werbeveranstaltungen herausrücken, eine nach Auffassung des DRV rechtswidrige Praxis.

Der Branchenverband leitet zwar alle Prospekte an die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs oder den Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität weiter. Doch Reisebranche und Verbraucherschützer tun sich schwer, den dubiosen Gewinnverteilern mit juristischen Mitteln beizukommen. So verurteilte das Berliner Landgericht die Firma Media Umfrageservice zwar im Januar dazu, eine für Reiseveranstalter obligatorische Versicherung der Kundengelder abzuschließen. Doch das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig, weil die Firma in die Berufung ging.

Alle Warnungen scheinen dem Gewerbe mit der unseriösen Vertriebspraxis bisher nichts anzuhaben. Neue Gewinnaktionen schießen wie Pilze aus dem Boden. Denn wer hofft nicht insgeheim, daß ihm - und sei es für sieben Tage - ein Platz an der Sonne geschenkt wird?