Lebenshilfe
die zeit: Frau Kroll, Sie beraten als Psychologin ältere arbeitslose Führungskräfte. Wird dieser Personenkreis durch Arbeitslosigkeit besonders hart getroffen?
Inge Kroll: Die Lebenskrise ist dann besonders groß, wenn sich jemand sehr für seine Firma eingesetzt und sich mit seiner Arbeit stark identifiziert hat. Arbeit und Firma bildeten oft den Sinn und Zweck allen Handelns, daraus resultiert eine einseitige Abhängigkeit. Auf einem Bein stehend, verliert früher oder später jeder sein Gleichgewicht.
zeit: Sind Männer dabei stärker gefährdet als Frauen?
Kroll: Das ist keine Frage des Geschlechts, sondern des Lebensmittelpunkts. Wer sein Leben voll auf die Berufstätigkeit - oder die Familie - ausgerichtet hat, der verliert durch eine Kündigung oder Trennung diesen Mittelpunkt.
zeit: Was passiert durch diesen Arbeitsentzug?
Kroll: Der Karriere wurden eigene Bedürfnisse geopfert, eigene Interessen wurden zurückgestellt, oft gar nicht wahrgenommen. Ohne Aufgaben ist man nun tief verunsichert, sogar verletzt.
zeit: Wie kann diese Krise von den Betroffenen überwunden werden?
- Datum 22.10.1998 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 44/1998
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