Mit diesem Namen kann man Maler werden, Schriftsteller vielleicht, kaum jedoch Musiker. Mit der Stimme könnte jemand woanders Karriere machen, aber nicht in Deutschland. Möglicherweise wählte Udo Schild deshalb das Pseudonym Leon Delray, suchte jenes internationale Flair, veröffentlichte zwei CDs, die schnell im Bermudadreieck aus Talent, Lokalmatador und Grabbeltisch verschwanden.

Regelmäßig tritt er in Kneipen, Clubs und bei kleineren Festivals auf, singt mit dieser rauchigen Samtstimme in jenem Grenzland aus Soul und Jazz, das hier kaum einer betritt, fasziniert Hunderte, die ihn hören, es sind zu wenige. Wo man sich hierzulande - und jenseits des großen Wassers - inzwischen vor deutschem Krautrock anerkennend verbeugt und der heimischen Techno- und Sample-Szene die Reverenz erweist, klingt er fast wie ein Anachronismus. Dem improvisierenden Jazzsänger alle Ehre, und gelobt sei der rheinländische Trompetenton, aber in dieser seiner Sparte hörten wir bis jetzt doch lieber Al Green oder Van Morrison, Tim Buckley oder Marvin Gaye.

Mit Morning beginnt einer neuer Tag, mitten im Rheinland. Kein Drängen, keine Hektik, warme Akkorde auf der Gitarre, die verhaltene Dramatik der Stimme, schon mit den ersten Takten entsteht jene offene Stimmung, das erste Licht des Tages vor Augen und das Dunkel der Nacht im Rücken. Sparsam, als könne man zwischen den Tönen durchblinzeln, kein Wort und Ton zuviel, der akustische Baß mit bedächtigem Nicken, beiläufige, entspannte Saxophonlinien, ein Wachtraum (Topaz-Music; JHM Vertrieb, Köln, Venloerstraße 40, Tel. 0221/95 29 94 50).

"Nicht beobachten, nicht fixieren, nicht genau hinschauen" nannte Peter Handke als Grundregel ex negativo für sein Aufschreiben, "Ich kann - ja, kann - nur ,friedlich umherschauen'". In diesem Gefühl spielt und singt Udo Schild seine Astral Weeks, Liebeslieder, Momente vom Glück, seine Geschichten über einen alten Freund, vom Heimkommen. Nichts Neues, und würde man die Texte aufschreiben, verlören sie an Zauber, würde man die Musiker herauslösen, hätten sie keine Kleider. Manchmal wünschte man sich die Begleitung sperriger und widerständiger in ihren Gedanken, allein - musikalische Märchen gehorchen anderen Gesetzen.

Leon Delray hat sich in Udo Schild verwandelt, hat den leicht überarrangierten Soft-Soul und Funk-Touch seiner früheren Alben Autumn in June und I'm Still Waiting verloren, seine Stimme aber bewahrt. Morning mag auch in diesem Sinne als Morgen zu hören sein, an keine Tages- und Jahreszeit gebunden.