Der GnadenloseSeite 3/3
"Snooker auch." Barnes blickte seinen Freund an. "Dann kann ich es nicht sein."
"Beide Autoren bin ich", sagt Martin Amis, "das kommt der Wahrheit viel näher." Daß Barnes ihm die Freundschaft kündigte, weil er dem Buch mehr Glauben schenkte als den nachträglichen Beteuerungen des Autoren, kann Amis nicht ernsthaft überrascht haben. "Als Schriftsteller bleibst du immer ein Scharlatan. Du spielst deiner Umwelt ein Leben vor. Eigentlich lebst du woanders, nämlich in deinen Büchern. Das gilt für jeden Bereich. Wenn ich an einem Buch arbeite und zum Beispiel abends meine Tochter in den Armen halte, frage ich mich manchmal: "Was habe ich mit diesem Wesen überhaupt zu schaffen?" Und dann sagt Amis noch, und es klingt wie eine Verteidigung: "Wenn sich das Buch wirklich um Julian Barnes drehte, wäre es zu einem ziemlich langweiligen Geschichtchen verkommen." Schriftstellerleben seien selten spannend, schließlich würden Autoren ihre Zeit nicht damit verbringen, Emotionen zu rekonstruieren, sie würden sie erfinden. Außerdem, so Amis, stehe schon bei Nabokov, den er übrigens sehr verehre, der Leser solle sich nicht mit den Protagonisten identifizieren, sondern mit dem Autor. Recht haben trotzdem beide, Amis, der in seinem Buch lebt, und Barnes, den Amis in dieses Leben mitgenommen hat.
(...)
- Datum 12.11.1998 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 1998
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





