Es gibt im Film eine Szene, von der wahrscheinlich noch viel die Rede sein wird. Ich denke an den Moment, in dem der Held des Films, Guido, die Rolle des Dolmetschers übernimmt und den Barackenbewohnern, vor allem aber natürlich seinem Sohn, die einweisenden Befehle eines SS-Mannes übersetzt, mit denen dieser den Häftlingen die Lagerordnung bekanntgibt. Diese Szene faßt Inhalte, die in rationaler Sprache nicht zu beschreiben wären, und sagt dabei alles über die Absurdität dieser grauenhaften Welt und die sich diesem Wahnsinn entgegenstellenden, in ihrer Seelenkraft dennoch ungebrochenen Menschen aus. Nirgends gibt es Gigantomanie, quälende oder sentimentale Detailversessenheit, demonstrative rote Pfeile auf grauem Grund. Alles ist so klar, einfach und unmittelbar zu Herzen gehend, daß einem die Tränen in die Augen steigen. Die Dramaturgie des Films funktioniert mit der einfachen Genauigkeit guter Tragödien. Guido muß sterben, und er muß genau in dem Moment und so sterben, in dem und wie er stirbt. Vor seinem Tod - und hier wissen wir bereits, wie schön und kostbar ihm das Leben ist - vollführt er noch ein paar chaplinsche Faxen, um dem aus seinem Versteck hervorlugenden Jungen Glauben und Kraft zu geben. Es spricht für den sicheren Geschmack des Films, seinen fehlerlosen Stil, daß wir das Sterben nicht mehr sehen; aber die kurz aufkrachende Salve aus der Maschinenpistole hat wieder eine dramaturgische Funktion, sie enthält eine wichtige und niederschmetternde Botschaft. Endlich sieht der Junge den Preis des "Spiels" heranrollen: den "echten Panzer". Doch da wird die Geschichte schon von Trauer über das verdorbene Spiel beherrscht. Dieses Spiel - verstehen wir - heißt woanders Zivilisation, Menschlichkeit, Freiheit, alles, was der Mensch je als Wert ansah. Und als der Junge in den Armen der wiedergefundenen Mutter ausruft: "Wir haben gewonnen!" - da kommt dieses Wort, durch die Kraft dieses Augenblicks, einem schmerzvollen Trauerpoem gleich.

Benigni, der Schöpfer dieses Films, wurde - wie ich lese - 1952 geboren. Er ist Vertreter einer neuen Generation, die mit dem Gespenst von Auschwitz ringt und die den Mut und auch die Kraft hat, ihren Anspruch auf dieses traurige Erbe anzumelden.

Übersetzung aus dem Ungarischen von Christian Polzin