Die scharfen Hunde vom RevierSeite 3/3
Was die insgesamt sechs Oberstaatsanwälte, sechzehn Staatsanwälte, neun Wirtschaftsreferenten und acht Buchhalter starke Bochumer Truppe am stärksten motiviert, ist der Rochus auf jene Spezies von Gutverdienenden, die - so Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek - "Wein predigen und Champagner trinken". Zu ihnen versuchen sie sich über die subalternen Vollstrecker gängiger Korruptionspraktiken zu den hochrangigen Profiteuren "hochzuermitteln", gleichgültig, welcher parteipolitischen Couleur sie zuzurechnen sind.
Ohne weiteres hätten sie den SPD-Promi Ziegler auch anderen überlassen können: Der VEW-Chef arbeitet in Dortmund und lebt in Wickede, also außerhalb ihres Jagdreviers. Doch konnten sie den ahnungslosen Strommanager nach einer Durchsuchung seines Büros und seines Privathauses telefonisch dazu überreden, auf der Rückfahrt von einer feierlichen Bundesverdienstkreuz-Verleihung in Essen doch noch kurz einmal in Bochum Station zu machen. Dort präsentierten sie ihm den vom Ermittlungsrichter bereits ausgefertigten Haftbefehl und zogen so das Verfahren an sich, was ihnen den Vorwurf der Manipulation einbrachte. Von einem anderen Gericht wäre der geständige Ziegler möglicherweise gar nicht festgenommen worden und könnte wahrscheinlich einem milderen Urteil entgegensehen als in Bochum.
Inzwischen ist die Antikorruptionstruppe bereits in einem weiteren Ruhrkonzern fündig geworden. Ins Fadenkreuz der Bochumer geriet Anfang September ein gutgetarnter Betrügerring leitender Ruhrkohle-Mitarbeiter. Sie stehen im Verdacht, über stille Beteiligungen an Zulieferfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet und Schmiergelder in Millionenhöhe empfangen zu haben. Das erfolgreiche Bochumer Domino-Spiel kann von neuem beginnen.
- Datum 10.12.1998 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 51/1998
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