Ihr werdet es erlebenSeite 4/4
Wenigstens ein korrektes Zukunftsbild hat der reiselustige Futurologe, immerhin, gezeichnet: "Die Annahme erscheint vernünftig", schrieb Kahn 1976, "daß der Tourismus gegen Ende des Jahrhunderts einer der größten Wirtschaftszweige der Welt sein wird, wenn nicht der größte." Welch ein Trost, daß dies eingetroffen ist und nicht Kahns Prophezeiung einer europäischen Produktion von 70 000 Atomwaffen.
Das Beispiel Herman Kahn lehrt uns, zum Ende des Jahrhunderts, zweierlei:
Erstens genügt offensichtlich auch ein IQ von 200 nicht, die Zukunft korrekt vorzusagen - er genügte im Fall Kahn nicht einmal, rechtzeitig zu erkennen, daß Futurologie schon aus prinzipiellen Gründen nicht über das Orakeln hinauswachsen kann.
Zweitens ist jede Gesellschaft schlecht beraten, wenn sie sich zu sehr auf die Weissagungen von Gurus verläßt, auch solchen mit akademischen Ehren.
"Die Zukunft", schrieb der im November dieses Jahres verstorbene Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann, "liegt nicht mehr im Zweck, nicht im Plan." Sie wird vielmehr - "wie einst das Jüngste Gericht" - "als Überraschung kommen".
- Datum 30.12.1998 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01/1999
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