Warum ist die Banane krumm? Weil sie eine politische Frucht ist. Wie sich diese Woche wieder zeigt, wenn der sechs Jahre alte Bananenstreit zwischen Amerika und Europa vor der Welthandelsorganisation juristisch durchgefochten werden soll - bis zum Fruchtstand-Strunk. Ausgerechnet Bananen! Der Schlager der zwanziger Jahre ist wieder brandaktuell.

Dollar-Bananen gegen Euro-Bananen; die Krummfrüchte aus Guatemala, Honduras und aus anderen, zum Staat aufgeputzten Plantagen von Chiquita oder Del Monte gegen die Gewächse aus Europas Kolonialwarenläden; musa cavendishii gegen musa paradisiaca sapientum, das strahlend hochgereckte, zu sattem Gelb geschwefelte Tropenobst aus fabrikmäßiger Standardproduktion, 18,75 Zentimeter lang und 4,1 Zentimeter dick, gegen die fleckigen Winz-Verwandten aus den südlichen Treibhäusern der Europäische n Union.

Die Banane ist nahrhaft, 1 Kalorie das Gramm. Sie hat schon immer ihren Mann ernährt, zumal die Anwälte der Ausgeglittenen. Seit die ersten Bananen in Deutschland angelandet wurden, 1893 in Hamburg, haben sich Generationen von Jurastudenten beim Repetitor mit der Frage herumplagen müssen: Wer ist haftpflichtig, wenn einer auf einer Bananenschale ausrutscht, die vor einem Kaufhaus auf dem Gehweg liegt?

Umständehalber stellte sich diese Frage von 1914 bis 1918 nicht, auch nicht von 1939 bis 1945. Die Ankunft der ersten Nachkriegsladung, im Juli 1949 und abermals im Hamburger Hafen, wurde gebührend mit Musik gefeiert. Konrad Adenauer, der Gründungskanzler, hob die Banane sogleich auf das politische Podest. "Die Banane ist eine Hoffnung für viele und eine Notwendigkeit für uns alle", erläuterte der Alte im Bundestag. Es heißt, im Urlaub habe er immer eine in der Tasche gehabt.

Auch Otto Schily hatte eine in der Tasche, als die Bonner Politiker am 18. März 1990 über das Ergebnis der ersten freien Volkskammerwahl diskutierten. Warum hatten so viele Ostdeutsche wohl CDU gewählt? Sonst nicht wortkarg, hielt Schily stumm eine Banane vor die Fernsehkamera. "Zu kurz gegriffen", fauchte Dorothee Wilms von der CDU. Wolfgang Schäuble empörte sich im Bundestag, Schily habe die Ostdeutschen mit seiner Geste "zu Affen gemacht". Schily reuig: "Wenn es denn dem parlamentarischen Frieden dient, entschuldige ich mich für das Vorzeigen einer Südfrucht."

Übrigens war es Adenauer, der sich für seine Deutschen 1957 bei den Verhandlungen über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft die zollfreie Einfuhr von Dollar-Bananen - nach dem Apfel der Deutschen liebste Frucht - ausbedungen hatte. 14 Kilo jährlich verzehrte jeder Westdeutsche 1992, jeder Ostdeutsche sogar 25 Kilo (der Nachholbedarf!). So war "alles Banane" (neudeutsch: "alles paletti"). Bis Brüssel dann das deutsche Bananenprivileg abschaffte und die Teutonen zwang, die Micker-Bananen aus Euronesien zu essen oder aber für die gekrümmten Früchte aus amerikanischer Züchtung draufzuzahlen.

Alles Banane? Mitnichten. EU-Protektionismus gegen US-Sanktionismus: eher ein Anlaß, to go bananas. Womit der Amerikaner schlicht meint: "Ich werde verrückt!"