Der Wüstenfalke hat wieder zugeschlagen: Prinz Al-Walid Ibn Talal Al-Saud steigt in die KirchGruppe ein und fügt seinem bunten Portfolio damit eine weitere Medientrophäe hinzu. Neben Beteiligungen an Hyundai, Trans World Airlines, Apple, Motorola und verschiedenen Luxushotels hält der 42jährige auch Anteile an den großen arabischen Fernsehsendern, drei Prozent an Silvio Berlusconis Mediaset und fünf Prozent an Rupert Murdochs News Corporation. Damit hat sich der steinreiche Araber fast unbemerkt ins Zentrum der weltweiten Medienbranche vorgearbeitet.

Der Neffe des saudischen Königs Fahd gehört mit seinem auf etwa 16 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen zu den 20 reichsten Männern der Welt. 2 Milliarden hält er stets flüssig, um blitzschnell günstige Aktienpakete zu erwerben. Seine Geschäftsstrategie ist dabei ebenso einfach wie erfolgreich: "Wenn etwas 4 Millionen wert ist und eine Million kostet, kauf es." Auf diese Weise landete er 1991 seinen ersten großen Coup auf der internationalen Bühne, als er in die angeschlagene amerikanische Citibank einstieg. Al-Walid investierte 560 Millionen Dollar in das marode Unternehmen. Binnen vier Jahren vervierfachte sich der Wert seiner Anteile.

An dem Kirch-Imperium zeigte der Multimilliardär bereits 1995 Interesse, als er zusammen mit dem Münchner Medienzar bei Berlusconi einstieg. Nach der Beteiligung an Murdochs News Corporation war es nur noch eine Frage der Zeit, wann Al-Walid sich ein weiteres Puzzleteil für sein weltweites Medienspiel besorgen würde. Mit den Kirch-Aktien könnte er zum zentralen Bindeglied zwischen den drei Mediengiganten werden. Offen ist jedoch, ob Al-Walid seine Medienaktien als reine Geldanlage sieht oder sich in die Unternehmensführung einmischen will. Während er in seiner Heimat bei der United Saudi Commercial Bank hart durchgriff und nach der Übernahme das gesamte Management auswechselte, mischte sich der Finanzier in die Geschäftsführung seiner ausländischen Beteiligungen bislang nur selten ein.

Der arbeitsbesessene Milliardär gönnt sich nur drei Wochen Urlaub im Jahr, die er vorzugsweise auf seiner Luxusyacht verbringt. Das Prunkstück kaufte er einst zum Dumpingpreis von 18 Millionen Dollar von Donald Trump, als der gerade in akuten Geldnöten war. Daheim sucht Seine Hoheit Zerstreuung anderer Art: In Riad läßt Al-Walid den höchsten Wolkenkratzer der Welt bauen. Das Dach des 300 Meter hohen Giganten soll von einem überdimensionalen Ring gekrönt werden - eine Art persönlicher Triumphbogen, durch den der Prinz ab und an mit seiner Boeing 727 hindurchzujetten gedenkt.