Es gibt noch immer Momente, da wundert sich Anne Struthoff über ihr neues Leben. Etwa wenn sie abends kurz vor acht zum Handy greift und ihren Mann bittet, noch schnell einzukaufen. Sie werde es wieder einmal nicht schaffen.

Vor zwei Jahren hatte Anne Struthoff noch mehr Zeit. Sie arbeitete auf einer halben Stelle an der Uni, fuhr einen alten Polo und lebte in einer engen Wohnung in Bayreuth. Jetzt ist sie meist per Flugzeug unterwegs. Sie verdient mehr als das Dreifache und schläft - mal in Hamburg, mal in London - die meisten Nächte im Hotel.

Solche "Goldfische" - so heißen die Nachwuchskandidaten im Beratergewerbe - sind begehrt. Denn trotz hoher Bewerberzahlen plagen Personalsorgen die Beraterbranche. "Die Konkurrenz um die besten Leute ist groß", sagt Monika Benecke, Recruiting-Expertin bei Roland Berger&Partner.

Seit Jahren boomt das Consultinggewer- be. In den vergangenen acht Jahren hat sich der Umsatz der Branche verdoppelt. Topunternehmen wie Berger oder KPMG legen jährlich sogar zwischen 15 und 25 Prozent zu. Vieles deutet darauf hin, daß der Trend anhält.

Auch Physiker und Ingenieure erobern die Consultingwelt

Mit dem Auftragsvolumen wächst der Hunger nach frischem Personal. Um den Personalbedarf zu befriedigen, mußten viele Beratungsfirmen ihre extrem hohen Einstiegshürden modifizieren: Altersgrenzen wurden angehoben, die Ansprüche an die Jungmanager gesenkt. "Früher hatten nur die besten 5 Prozent eine Chance, heute sind es die besten 20 Prozent", sagt Norbert Wangnick von der Firma Access, die für Topunternehmen Nachwuchskräfte rekrutiert (siehe auch "Unternehmen Arbeitsamt" auf Seite 10).

Längst nämlich helfen die smarten Experten den Firmenbossen nicht mehr allein beim Gesundschrumpfen und Stellenstreichen. Sie entwerfen Marketingstrategien, vermitteln zwischen verfeindeten Gruppen oder bringen Unternehmen auf den neuesten Stand der Computertechnik.